Unternehmen / Technologie 10:00 - 23.10.2016

AT&T kauft Time Warner für 85 Mrd. $

Megaübernahme in den USA: Auch der Telecomkonzern AT&T will ins Mediengeschäft vorrücken.
NEU Per E-Mail-Abo Unternehmen folgen*
lesen sie mehr
zum Stichwort
Aktie
Wertpapier , das einen Anteil am Kapital einer Aktiengesellschaft verkörpert. Es sichert dem Eigentümer Mitgliedschaftsrechte (Stimm- und Wahlrecht an der Generalversammlung) und Vermögensrechte (Recht auf Anteil am Gewinn, Beteiligungsquote bei Kapitalerhöhungen oder am Liquidationsergebnis) zu.
Beteiligung
Langfristige, kapitalmässige Interessennahme an anderen Unternehmen, bei der die wirtschaftliche Einflussnahme oder ähnliche Zielsetzungen im Vordergrund stehen. Die Beteiligungen werden höchstens zum Einstandspreis bewertet.
Fusion
Verschmelzung zweier oder mehrerer Gesellschaften zu einem einzigen Unternehmen. Gemäss Schweizer Aktienrecht geschieht dies entweder durch Absorption (Annexion) oder durch Kombination (Verschmelzung durch Neubildung eines Unternehmens).
Investmentbank
Wickelt das Emissionsgeschäft, das Handelsgeschäft mit Effekten , Devisen , Edelmetallen und derivativen Instrumenten , das Repogeschäft sowie die Unternehmensfinanzierung einschliesslich Fusionen und Übernahmen ab.
Kurs
Börsen- oder Marktpreis von Wertpapieren , Devisen , Münzen oder Waren. Der Kurs schwankt je nach Angebot und Nachfrage.
Tau
Misst die Veränderung des Optionswerts bei einer Veränderung der Volatilität. Gehört zu den Greek Letters. Der Wert einer Option steigt mit zunehmender Volatilität des Basiswerts, während eine sinkende Volatilität dazu führt, dass eine Option günstiger wird.
Wall Street
Im übertragenen Sinne Bezeichnung für die an der Strasse Wall Street gelegene Nyse , aber auch allgemein für New York als Finanzplatz .

(Reuters) Für rund 85 Milliarden Dollar kauft der Telekomriese AT&T (T 39.93 -1.07%) den Konzern Time Warner (TWX 99.84 -0.16%), zu dem die Sender HBO und CNN sowie das Filmstudio Warner Bros gehören. Die Führungsgremien beider Unternehmen hätten das Geschäft einstimmig gebilligt, teilte AT&T am Samstagabend mit.

Dem Vorhaben müssen aber noch die Wettbewerbsbehörden zustimmen. Es soll AT&T zufolge bis Ende 2017 abgeschlossen werden. Der Deal ist die zweite Großübernahme von AT&T im Mediengeschäft binnen kurzer Zeit. Erst vergangenes Jahr hatte sich das Unternehmen für 48,5 Milliarden Dollar den Satellitenfernseh-Anbieter DirecTV einverleibt.

Die jüngsten Initiativen spiegeln massive Umwälzungen in den beteiligten Branchen wider. Zuschauer schauen sich Filme oder Sendungen zunehmend übers Internet an. Davon profitieren Online-Videotheken wie Netflix (NFLX 142.87 1.2%) auf Kosten traditioneller TV-Sender. Zugleich decken sich Telekom-Unternehmen verstärkt mit Medieninhalten ein, um mehr Kunden zu gewinnen. Sollte der Deal zustande kommen, wäre er der größte weltweit in diesem Jahr.

AT&T-Chef Randall Stephenson zeigte sich zuversichtlich, mögliche Bedenken der Regulierungsbehörden auszuräumen. «Es wird kein Wettbewerber vom Markt verdrängt, es gibt keine Wettbewerbsbeschränkungen, die durch die Fusion dieser beiden Unternehmen entstehen», sagte er vor Journalisten. Der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump hatte bereits zuvor angekündigt an, im Falle seiner Wahl würde er es AT&T nicht gestatten, Time Warner und damit CNN zu kaufen.

Warner-Chef Jeff Bewkes hatte 2015 noch eine Offerte von Rupert Murdochs Mediengruppe Twenty-First Century Fox über 80 Milliarden Dollar zurückgewiesen. Laut «Wall Street Journal» nahm vor einigen Monaten Apple (AAPL 142.27 -0.12%) Kontakt mit Time Warner auf, um einen Zusammenschluss zu diskutieren. AT&T-Rivale Verizon (VZ 47.25 -2.4%) verabredete zuletzt den Kauf des Internetgeschäfts von Yahoo (YHOO 47.52 -0.31%) für 4,8 Milliarden Dollar, nachdem er bereits 2015 den Online-Veteranen AOL unter seine Fittiche genommen hatte. Im Jahr 2000 war Time Warner mit AOL zusammengegangen, was mittlerweile als einer der größten Fehlschläge bei Firmenzusammenschlüssen überhaupt gilt.

«Das funktioniert niemals»

AT&T verkauft von Hause aus Mobilfunk- und Breitbanddienste, hat aber bereits mehrere Standbeine im Mediengeschäft. Außer DirecTV unterhält der Konzern eine Gemeinschaftsfirma, die in der Branche investiert und einen Videostreaming-Dienst aus der Taufe gehoben hat. Time Warner beherbergt neben HBO und CNN auch die Sendergruppen TBS und TNT. Zudem hält das Unternehmen eine zehnprozentige Beteiligung am Netflix-Konkurrenten Hulu. Das Warner-Filmstudio hat die Rechte an Kassenschlagern wie «Batman» und «Harry Potter».

Mobilfunkunternehmen setzen große Hoffnungen auf die nächste Generation der Übertragungstechnik (5G), die auch neue Medienangebote ermöglichen soll. «Wir glauben, dass 5G ein ganz wichtiger Impulsgeber ist», sagte Analyst Rich Tullo vom Wall-Street-Haus Albert Fried & Company. Damit könnten die Telekomanbieter den Bezahlfernsehsendern gehörig in die Quere kommen. Andere Experten kritisierten allerdings, dass AT&T viel Geld für den Kauf der Inhalte-Produktion ausgibt statt zu deutlich günstigeren Preisen lediglich Verwertungsrechte zu erwerben.

Es sei unklar, welche Einsparungen die Zusammenlegung von Vertriebsinfrastruktur und Inhalten bringen könnte, sagte Doug Creutz von der Investmentbank Cowen and Co. «Das wurde schon probiert und funktioniert niemals.» Die Kartellbehörden dürften der Fusion nach Einschätzung von Fachleuten nicht im Wege stehen. Die Partner müssten voraussichtlich nur bestimmte Auflagen erfüllen.

AT&T zahlt 107,50 Dollar je Time-Warner-Aktie. Der Preis liegt damit deutlich über dem jüngsten Kurs, der im außerbörslichen Handel auf 92,50 Dollar nach oben schoss.

Meistgelesene Artikel

21.04.2017 Praktikus

Der Praktikus vom 22. April 2017

lock-status
21.04.2017 Meinungen

Zu viel, zu wenig