Meinungen 14:51 - 18.04.2017

Auch die Umwelt leidet

«Die pro Windturbine veranschlagten Subventionen von etwa 15 Mio. Fr. fliessen im Wesentlichen ins Ausland ab.»
Die Energiestrategie ist nicht so umweltschützerisch, wie sie vorgibt. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Peter Morf.
lesen sie mehr
zum Stichwort

Es sprechen viele Gründe gegen die Energiestrategie, die am 21. Mai zur Abstimmung gelangt. So ist sie planwirtschaftlich ausgerichtet, und aus ordnungspolitischen Gründen ist sie abzulehnen. Sie reduziert die Versorgungssicherheit, bürdet der Wirtschaft und den Konsumenten enorme Kosten auf und führt zu einem faktischen Technologieverbot. Hinzu kommt, auf den ersten Blick vielleicht etwas überraschend, auch die Sorge um die Umwelt.

Das «Umwelt-Komitee gegen das Energiegesetz» hat am Dienstag vor den Medien seine Argumente dargelegt. Ihm macht vor allem der geplante Bau von rund tausend Windkraftwerken in der Schweiz Sorgen. Es sieht, durchaus zu Recht, den Naturschutz in Gefahr und fürchtet die Zerstörung von Naturlandschaften. In der Tat ermöglichen die Artikel 12 und 13 des neuen Energiegesetzes den Bau von Windturbinen auch in Schutzgebieten.

Zwei weitere Argumente sind von Bedeutung: Bundesrätin Doris Leuthard macht mit dem Motto «sicher – sauber – schweizerisch» für die Energiestrategie Werbung. Das ist – höflich formuliert – irreführend. Das sei am Beispiel von Windturbinen erläutert. Das Komitee macht darauf aufmerksam, dass sie vollständig im Ausland produziert werden und auch die Montage meist durch die Hersteller erledigt wird. Die pro Windturbine veranschlagten Subventionen von etwa 15 Mio. Fr. fliessen damit im Wesentlichen ins Ausland ab. Keine Rede von der gepriesenen Wertschöpfung in der Schweiz.

Zudem zwingen die neuen erneuerbaren Energien zu mehr Importen als bisher: Weht der Wind nicht und ist der Himmel bedeckt, in der Schweiz keine Ausnahme, muss der fehlende Strom entweder importiert werden, oder es braucht im Inland Gaskraftwerke. Auch das Gas allerdings muss importiert werden. Da kann auch mit dem besten Willen nicht von «schweizerischen» Lösungen gesprochen werden. Und nicht gerade umweltfreundlich ist schliesslich die Tatsache, dass der importierte Strom schwerwiegend aus deutschen Kohlekraftwerken stammt, die unglaubliche Mengen von CO2 in die Atmosphäre pusten.

Die gläubigen Energiewender nehmen diese Argumente nicht zur Kenntnis – was nicht sein darf, ist nicht. Ein bisschen mehr Selbstkritik wäre durchaus erwünscht. In der Endabrechnung schadet die Energiewende auch dem, was sie zu schützen vorgibt: der Umwelt.

Mehr zum Thema

13.04.2017 Meinungen

Kompliziertes System zementiert

12.04.2017 Meinungen

Der Fall Tessin zeigt Grenzen auf

11.04.2017 Meinungen

Das Steuerdebakel überwinden

07.04.2017 Meinungen

Für eine offene Schweiz