Meinungen

Auch Peking hat begrenzte Mittel

China ist besessen von Wachstum, und Kredite sind Mittel zum Zweck. Ein Kommentar des stv. Chefredaktors Clifford Padevit.

«Die steigende Verschuldung und das rückläufige Wachstum ergeben einen giftigen Mix.»

Je länger das so weitergeht, desto weniger Glauben schenken Investoren den Zahlen. Die Rede ist von Chinas Wachstumszahlen. Gerade mal fünfzehn Tage nach dem Quartalsende meldet China ein Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 6,7% gegenüber dem Vorjahr. So tief war es zuletzt 2009. Es ist nicht erstaunlich, dass die Rate genau im Zielkorridor liegt, den die Regierung zwischen 6,5 und 7% angesetzt hat.

Schon längst rechnen unabhängige Ökonomen in ihren Modellen mit tieferem Wachstum. Eines haben die kommunistischen Lenker und die internationalen Beobachter aber gemeinsam: Sie hoffen, die Volkswirtschaft hält den wilden Ritt aus und kollabiert nicht.

China hat eine Wachstumsobsession. Kredite sind da vor allem Mittel zum Zweck, und die Situation ist zunehmend beunruhigend. Die Bankkredite steigen mit einer Rate, die mehr als doppelt so hoch ist wie die des offiziellen BIP. Ganze 15% Kreditwachstum wurden für die vergangenen zwölf Monaten verzeichnet.

Der Internationale Währungsfonds warnte vergangene Woche eindringlich vor dem Kreditberg, der sich insgesamt auf 240% beläuft. Besonders hervorgehoben hat er die Situation der Unternehmen. Jeder siebte Kredit ist gefährdet. Am schlimmsten dran sind die Sektoren Immobilien und Industrie. Weil die Mehrheit der Kredite von Banken stammt, steigt das Risiko eines Bankenkollapses.

Die steigende Verschuldung und das rückläufige Wachstum ergeben einen giftigen Mix. Denn die Bedienung der Schulden wird schwieriger. Ohne Zweifel ist es in der Volksrepublik möglich, Kreditverluste zu verstecken oder letztlich auf die Gesellschaft abzuwälzen. Aber Pekings Mittel dürfen nicht überschätzt werden.