Neben dem Q7 wirkt der Audi e-tron geradezu elegant. Mit 4,9 Metern Länge ist er zwar nur 15 Zentimeter kürzer, doch er ist deutlich flacher– 1,62 Meter, das sind sogar 2 Zentimeter weniger als ein Q5 – und mit 1,94 Metern weniger breit. Klar, der Wagen ist trotzdem ein mächtiges Gefährt, aber unter den aktuellen E-SUV wie dem Mercedes EQC, dem Jaguar i-Pace oder einem Tesla Model X darf man ihn als das optisch gelungenste Fahrzeug bezeichnen, noch einigermassen zurückhaltend. Er macht auch nicht viel Design-Aufhebens um seinen alternativen Antrieb, das mag man schätzen oder auch nicht. Dank 2,92 Metern Radstand sitzen die hinteren Passagiere angenehm, das Kofferraumvolumen ist mit 660 Litern üppig, mit abgeklappten Rücksitzen sind bis 1725 Liter möglich.

Auch innen gibt es kaum Grund zum Tadel. Klar, schöne neue Digitalwelt, gleich über drei Bildschirme werden die Informationen vermittelt, doch das bleibt übersichtlich, man gewöhnt sich daran. Es ist aber trotzdem zu empfehlen, dass der Fahrer die wichtigsten Einstellungen noch im Stand vornimmt, denn wenn er in den Menustrukturen etwas suchen muss, kann es durchaus komplex werden.

Immerhin: Die Sprachsteuerung funktioniert gut. Die Sitzposition ist auch gut, die vorderen Sitze sind es ebenfalls – und die verwendeten Materialien selbstverständlich auf Audi-Niveau, also: ganz weit oben. Allerdings: In unserem Probanden waren sehr simple Gummimatten verlegt. Das mag zwar zu einem SUV passen, aber zum nicht ganz günstigen e-tron passt es irgendwie gar nicht. Watttiefe und Böschungswinkel wird wohl kaum ­jemand jemals bis zum Maximum aus­testen mit diesem Fahrzeug.

Nur für die Strasse gemacht

Wie man den e-tron wohl ganz allgemein nicht in Grenzbereichen bewegen will. Das liegt nicht am Fahrwerk, das darf man loben, der Komfort ist vorzüglich, der Stromer rollt sehr sauber ab, dämpft dank Luftfederung praktisch alle Strassen­unebenheiten weg, vielleicht plättet er sie gar, man bewegt hier ja 2,6 Tonnen.

Vor flotterer Kurvenfahrt muss man auch nicht zurückschrecken, es gibt kaum Seitenneigung und Wankbewegungen, die elektronisch berechnete Traktion ist bestens – und ist man doch einmal etwas zu schnell, dann schiebt das Fahrzeug über alle vier Räder nach aussen.

Das Problem ist ein anderes: Die Lenkung gibt sehr wenig Rückmeldung. Keine Ahnung, wie die Audi-Ingenieure das geschafft haben, aber würde man nicht sehen, dass der Wagen tatsächlich dorthin fährt, wohin man ihn lenken möchte, wäre man wohl etwas verloren. Und das ist auch irgendwie schade – wäre die ­Lenkung besser, würde nämlich sogar so etwas wie Fahrfreude aufkommen.

Denn auch wenn Audi nicht das letzte Quäntchen Energie aus der 95-kWh-Batterie presst – 408 PS Systemleistung und 664 Nm maximales Drehmoment sind ­ansprechend, aber nicht die Zahlen­bomben wie bei Tesla oder Porsche –, so sind die Fahrleistungen doch mehr als nur ansprechend. Wir glauben sofort, dass er in 5,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h rennt, die 2,6 Sekunden von 60 auf 100 km/h sind ebenfalls realistisch, die elektronisch abgeriegelten 200 km/h Höchstgeschwindigkeit für ein E-Auto mehr als genügend. Sehr souverän ist, wie der Audi diese Leistungen aus dem Ärmel schüttelt, er wirkt nie angestrengt, der Kraftfluss kommt sofort (Eingangautomatikgetriebe), Überholvorgänge sind ein Kinderspiel. Auch die Bremsen sind überzeugend – wenn man sie denn je braucht. Denn zumeist wird man sich – mit etwas Übung und ­vorausschauendem Fahren – das Bremsen sparen können. Für die Rekuperation verlangsamt der Audi die Fahrt schon ziemlich massiv, wenn man den Fuss vom Fahrpedal nimmt.

Grauenhaftes Test-Wetter

Trotzdem erscheint uns im Test der Energieverbrauch ziemlich hoch. Gemäss Werkangabe soll er 22,6 kWh/100 km betragen. Unter 26 kWh/100 km kamen wir nie, gegen oben ging dann auch deutlich mehr. Es muss dabei aber auch erwähnt sein: Die Wetterbedingungen waren beim Test eher nass, kalt, grauenhaft. Was ­E-Autos nicht wirklich lieben – und deshalb müssen als realistische Reichweite knapp 300 Kilometer angeben werden.

Was aber im Alltag ausreichen sollte. Der Audi kann in so manchen Formen aufgeladen werden, bis maximal 150 Kilowatt. Ladestationen mit dieser Leistung sind aber nicht nur in der Schweiz äusserst selten; am Haushaltsstecker würde eine Vollladung anderthalb Tage dauern.

Viel Sonnenschein also im Test Audi ­e-tron, ein paar Wölklein nur? Nein, denn: Vielleicht musste auch einfach alles zu schnell gehen. Vielleicht ist auch alles ­einfach zu viel. Im Test gab es Probleme mit der eigentlich sehr hilfreichen App, der adaptive Tempomat funktionierte schon bei leichtem Regen nicht mehr, die Verkehrszeichenerkennung, die dann auch selbsttätig die Geschwindigkeit reguliert, ist noch in einem sehr frühen ­Stadium der Entwicklung.

Und die zwar coolen, aufpreispflich­tigen elektronischen Rückspiegel sehen deutlich besser aus, als sie funktionieren. Es gab dann zudem noch zwei, drei Kleinigkeiten bei der Verarbeitung – was man sich von einem Audi ja nicht gewohnt ist. Gewohnt ist man sich die lange Aufpreisliste, wobei der Basispreis von 78 300 Fr. doch sehr fair erscheint, ein Q7 kostet immer mehr.

Der Käufer erhält dafür 2,6 Tonnen ­geballte Technologie, die sich angenehm und unkompliziert bewegen lassen; wir attestieren dem Audi gerne eine hohe Alltagstauglichkeit. Vorsprung durch Technik ist da allerdings keiner, gerade im Detail hätte der e-tron noch etwas mehr Liebe und Entwicklungsarbeit verdient.

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