Auf dem Private Banking ruhen bei Vontobel grosse Hoffnungen

Bislang zeigte sich das Finanzinstitut in Sachen Akquisitionen sehr vorsichtig. Doch mit den schwindenden Erträgen aus dem Asset Management dürfte Vontobel bald auf Erwerbe im Private Banking setzen.

Georg Schubiger, Leiter Private Banking von Vontobel (VONN 60.8 0.16%), sieht das Institut in der Lage, Vermögen unter Verwaltung von 20 Mrd. Fr. zuzukaufen. Gelingt Vontobel das, könnte sie die verwalteten Vermögen im Private Banking um über 60% steigern. Mit Assets under Management von über 50 Mrd. Fr. wäre die Bank bei den Leuten und müsste sich nicht mehr den Vorwurf gefallen lassen, nicht über die kritische Grösse in diesem Geschäft zu verfügen.

Doch wird die Bank schon bald zur Tat schreiten? Im Hause Vontobel geht man davon aus, dass der Rückkauf und die Vernichtung des Raiffeisen-Aktienpakets den Bewegungsspielraum vergrössern. «Falls notwendig, haben wir die Möglichkeit, schnell, günstig und unkompliziert Hybridkapital aufzunehmen. Damit könnten wir auch einen grösseren Erwerb problemlos stemmen», brachte CEO Zeno Staub die Sache gegenüber der «Finanz und Wirtschaft» unlängst auf den Punkt.

Die bisherige Leistung in Sachen Akquisitionen ist, gerade im Vergleich mit dem Konkurrenten Julius Bär (BAER 38.05 -0.96%), bescheiden. Während die Bären mit der Akquisition des nichtamerikanischen Vermögensverwaltungsgeschäfts von Merrill Lynch viel Mut zeigten, gab sich Vontobel in der gleichen Phase äusserst vorsichtig. Dass es Vontobel mit dem Ausbau im Private Banking bislang nicht eilte, hat jedoch auch einen anderen Grund: Im Asset Management lief es, auch dank der Leistung des in Amerika domizilierten Starportfoliomanagers Rajiv Jain, ausgesprochen gut. Allerdings wachsen die Bäume auch im Asset Management nicht in den Himmel. In der ersten Jahreshälfte kam es in seinen Emerging-Markets-Fonds zu Abflüssen im Umfang von 1 Mrd. Fr. Die Rückkehr zur Normalität im Asset Management spiegelt sich in den Halbjahreszahlen: Der Ertrag reduzierte sich 1% auf 174,6 Mio. Fr., und der Aufwand nahm 1% auf 130,4 Mio. Fr. zu, weshalb ein 5% tieferer Gewinn von 44,2 Mio. Fr. resultierte.

Dazu kommt, dass es Vontobel auch im Investment Banking nicht mehr so gut läuft wie in den besten Jahren. Allein im ersten Halbjahr musste ein Rückgang des Betriebsertrags von 9% auf 123,2 Mio. Fr. verzeichnet werden.  Ein Teil des Rückgangs konnte zwar durch fallende Kosten (–7% auf 87,6 Mio. Fr.) kompensiert werden. Per saldo reduzierte sich der Gewinn in der ersten Jahreshälfte jedoch 14% auf 35,6 Mio. Fr. Vontobel investiert zwar in die Plattform Deritrade. Richtig viel Geld verdient sie mit dieser Initiative aber offensichtlich noch nicht.

Der Rückgang in Asset Management und Investment Banking lässt erahnen, dass im Hause Vontobel nun grosse Hoffnungen auf dem Private Banking ruhen. Hier zeigen die Halbjahreszahlen, dass Potenzial besteht. Der Betriebsertrag der Sparte nahm 1% auf 118 Mio. Fr. zu, der Aufwand 2% auf 88,6 Mio. Fr., der Gewinn reduzierte sich 3% auf 29,4 Mio. Fr.

Einen Zwischenbericht von Vontobel gibt es Ende Oktober. Zu viel erwartet werden sollte, auch vor dem Hintergrund der Aussagen von Georg Schubiger, allerdings nicht. Im Gegensatz zur Konkurrenz veröffentlichte Vontobel zur Jahresmitte keine Prognose, sondern betonte lediglich, man wolle in einem konsolidierenden Umfeld wachsen. Neuengagements drängen sich, auch mit Blick auf die fragile Börsenlage, nicht auf.