Dossier-Bild Ein Artikel aus dem Dossier Nonvaleur
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Auf den Schienen zum Nachruhm

In Sachen Coronavirus sind die Statistiken der Johns Hopkins University in Baltimore der Goldstandard. Diese Hochschule, eine der besten in den USA, und das ihr ange­gliederte ebenso renommierte Spital sind benannt nach dem erfolgreichen Geschäftsmann Johns Hopkins (1795 bis 1873). Eine seiner Urgrossmütter hiess Johns, was als – durchaus unüblicher – Vorname in der ­Familie weitergegeben wurde.

Dieser Johns Hopkins stammte aus einem Quäker-Milieu im Staat Maryland. Er muss ein kaufmännisches Naturtalent gewesen sein. Zusammen mit seinen Brüdern fuhr er durch die Dörfer im Shenandoah-Tal und tauschte vom Planwagen aus Waren aller Art – gegen Mais-Whisky: Den verhökerte er dann in der Hafenstadt Baltimore als «Hopkins’ Best» an die durstigen Seelen.

Den beträchtlichen Erlös aus seinem ­Handel investierte Johns Hopkins in andere Geschäftsfelder, unter anderem in erheblichem Mass in das Boom-Business jener Jahre: Eisenbahnen. Die Baltimore & Ohio Railroad hatte 1827 die erste Eisenbahnkonzession der USA erhalten; die erste Strecke wurde 1830 in Betrieb genommen. Zu Beginn zogen noch Pferde die Wagen, doch bald setzte sich die Dampfkraft durch. Dem Ziel, den Austausch mit den Siedlern westlich der Appalachen in Schwung zu bringen, kam die B&O erst in den 1850er Jahren näher, als ihre Linien das Ohio-Tal erreichten.

Ohne den Financier Hopkins wäre B&O zwei Mal hopsgegangen. 1857 und 1873 schoss er erkleckliche Summen ein, um die Gesellschaft vor dem Bankrott zu bewahren. Während des Sezessionskriegs von 1861 bis 1865 hielt die B&O zur Union; ihr Netz, das sich durch das Frontgebiet erstreckte, wurde wiederholt beschädigt. Das Personal der Bahn ­berichtete seine Beobachtungen an die Regierung in Washington. Präsident Abraham Lincoln rühmte die B&O, dank ihrer Aufklärungstätigkeit zum Schutz der Hauptstadt vor Angriffen der Südstaatler beigetragen zu haben.

Die B&O bestand bis 1987, als sie in der Frachtbahn CSX aufging. Die beiden nach Johns Hopkins benannten Institutionen dagegen blühen und gedeihen bis heute. Der kinderlose Philanthrop hinterliess ein Vermögen von 7 Mio. $ (heute um die 130 Mio. $), vor allem aus Aktien B&O, das er stiftete. Aus der damals grössten solchen Spende in den USA entstand 1876 die Hochschule, 1889 die Klinik. Die Uni orientierte sich am seinerzeit revolutionären Zusammenwirken von Forschung und Lehre nach dem Heidelberger Modell. Das hat sich gelohnt: Bisher wurden 39 Gelehrte von JHU mit dem Nobelpreis akademisch geadelt.

Leser-Kommentare

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Horst Klophaus 09.01.2021 - 13:34

Biografie Johns Hopkins, zu sehen ist eine Aktie der Baltimore and Ohio Rail-Road Company vom 26. Juli 1856; signiert von Johns Hopkins als “president pro. tem.” – https://de.wikipedia.org/wiki/Johns_Hopkins