Aufgefallen in… Fairy Glen

Instagram-Touristen

Die Isle of Skye gehört unter Touristen in Schottland zu den weitaus beliebtesten Gegenden.

Unerhörtes scheint sich in den vergangenen Jahren auf der Isle of Skye, dem beliebten Ziel vieler Schottland-Reisenden, abgespielt zu haben. Von rücksichtslosen Touristen ist die Rede, wenn man mit Bewohnern der Insel spricht. Gar ein Begräbnis wäre fast dem Ansturm ausländischer Besucher zum Opfer gefallen. Wenn dann die Geschichte noch mit dem rustikal wirkenden schottischen Akzent erzählt wird, wirkt sie noch viel eindrücklicher.

Die Isle of Skye gehört unter Touristen in Schottland zu den weitaus beliebtesten Gegenden. Die Insel bietet nicht nur imposante Schlösser und wildromantische Klippen, die teilweise weit ins Meer hinausragen, sondern auch wunderschöne Landschaften mit teils dramatisch anmutenden Felsformationen. Ausgerechnet dieses Idyll wurde unlängst von Instagram-Touristen in Beschlag genommen. Instagram-Touristen sind Besucher, die fast alles für Bilder machen, die sie danach über Social-Media-Kanäle mit ihren Freunden teilen wollen.

Die Isle of Skye ist beileibe nicht der einzige Ort, der unlängst von dieser fotoheischenden Reiseschar ereilt wurde. Auch in der Schweiz hat ein spezieller Ort deshalb zweifelhafte Berühmtheit erlangt – der «Aescher» im Appenzellerland. Das an einer schroff abfallenden Felswand angelehnte Berggasthaus wurde von Touristen überrannt, die via Instagram darauf aufmerksam geworden waren.

Über ähnliche Szenen auf Skye berichtet auch Martin, ein ehemaliger Banker in der Londoner City, der der Hektik entfliehen wollte und nun mit seiner Frau ein B&B an der Nordküste der Insel führt. Am Morgentisch erzählt er ausschmückend, wie noch vor Kurzem Horden von Touristen über die kleine Hafenstadt Uig und das nahegelegene Hügelgebiet hergefallen sind. Sie alle waren auf der Suche nach dem Fairy Glen, frei übersetzt das Märchenhafte Tal. Die verspielt wirkenden zylinderförmigen Hügel übten in Kombination mit der satten Vegetation und dem kleinen Teich eine derart grosse Faszination auf Reisende aus, dass eine immer grösser werdende Schar ins Tal reiste. Fairy Glen wurde online via Likes und geteilten Beiträgen zu einem Selbstläufer.

Es war nicht nur die schiere Menge an Touristen, die das Märchental an seine Grenzen brachte. Es waren vor allem  die damit verbundenen Begleit- und Modeerscheinungen, die mit liegengelassenem Unrat begannen und mit dem Hinterlassen von Steinmännchen ihre Fortsetzung fanden. Dieses Auftürmen von Steinen ist in den letzten Jahren bei Touristen zu einem regelrechten Ritual und gleichzeitig zum neuen Fotomotiv geworden.

«Kein Besucher dachte daran, dass das Tal auch heute noch als Weideland für die Schafherden dient», sagt Ex-Banker Martin. Teilweise hätten die Touristen Steine aus Begrenzungsmauern herausgerissen. Allmählich kamen auch die Betreiber von Busunternehmen auf die Idee, Fairy Glen in ihr Besuchsprogramm aufzunehmen. So wanden sich immer mehr Cars die kilometerlange und enge Strasse Richtung Fairy Glen hoch. Einmal, so lässt es sich heute noch im Onlinearchiv der lokalen Zeitung nachlesen, hatten Trauergäste fast eine Beerdigung verpasst. Der Friedhof liegt auf dem Weg zum Fairy Glen, doch blockierten Busse den Zugang.

Dieser Zwischenfall veranlasste die Behörden zum Handeln: Als Erstes wurde ein generelles Fahrverbot für Busse erlassen. Anschliessend stellten Anwohner gut sichtbare Hinweisschilder auf. Darauf baten sie die Besucher, sie möchten doch bitte darauf verzichten, Steine zu stapeln.

Es scheint zu nützen. Auch wenn Fairy Glen von seiner Faszination nichts eingebüsst hat, haben die Besucherströme seit den Spitzenzeiten deutlich abgenommen. Der grosse Hype scheint vorbei zu sein – zur grossen Erleichterung der Insulaner. «Eigentlich ist es ja bloss ein kleines Tal wie so viele andere», sagt Ex-Banker Martin und nippt am Tee. Für ihn ist klar: So schnell wird er seinen Gästen nicht mehr raten, Fairy Glen einen Besuch abzustatten.

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