Aufgefallen in… Goldau

Licht aus der Vergangenheit

Am Bahnhof Arth-Goldau, Ausgangspunkt zu Tierpark und Rigi, dominiert derzeit der Baulärm. Die Gemeinde plant ihre Zukunft. Auf der anderen Seite der Gleise steht ein heruntergekommenes Fabrikgebäude, die Luxram. Eine Glühbirne über dem Eingang, die Lettern der Aufschrift verblichen und Graffitis an den Fenstern. 2002 zog das Unternehmen Righi Licht nach Immensee. Dort schloss sie vor einem Jahr, als letzte Glühbirnenproduzentin Europas, nach über hundert Jahren Betrieb, ihre Tore.

In Goldau änderte das nichts. Seit dem Auszug 2002 wird hier nicht mehr produziert. Nun soll abgerissen werden. Wann genau, ist noch nicht bekannt. Denn das Unternehmen hinterliess Altlasten. Aktuell wird untersucht, wo und in welchem Ausmass der Boden mit Quecksilber kontaminiert ist. Ausserdem stellte die Denkmalpflege des Kantons Schwyz kürzlich infrage, ob das Gebäude überhaupt etwas Neuem Platz machen darf. Toni Bächler, langjähriger Mitarbeiter in der Luxram, erinnert sich an die Zeit, als der Betrieb noch in vollem Gange war. 1968 trat er die Meisterstelle in der Packerei und Spedition an. Bis zu fünfundsiebzig Angestellte arbeiteten damals in der Fabrik. Um die Nullerjahre seien es noch circa vierzig gewesen.  

Im Laufe der Zeit sei immer mehr maschinell abgewickelt und die Glühbirnen seien nicht mehr von Hand zusammengeschraubt und verpackt worden. «Über die Hälfte der Arbeitnehmer waren Frauen», sagt Bächler. Während des Krieges hätten in der Luxram viele einheimische Bäuerinnen gearbeitet, um etwas dazu zu verdienen. Später seien viele Gastarbeiterinnen aus Italien und Ex-Jugoslawien gekommen. Vom Kohlefaden bis zur fertig verpackten Glühlampe sei alles in der Luxram verarbeitet worden. Der Kohlefaden bzw. der Wolfram-Wendel sowie der Kolben wurden aus Holland geliefert. «Die Arbeit ist immer ein grosses Zusammensetzspiel gewesen.»

In den letzten Jahren der Fabrikgeschichte in Goldau, um die Jahrtausendwende, belief sich die Produktion auf rund 6 Mio. Glühbirnen pro Jahr. Damals habe sich das Unternehmen aber bereits im Niedergang befunden. «Das Management hat die Weiterentwicklung der Lampen verschlafen», sagt Bächler. Nach dem Mauerfall kam die Konkurrenz aus Deutschland und den Ostblockstaaten mit preiswerteren Produkten. Zu lange habe man auf das Siegel «Schweizer Qualität» gesetzt, ohne die Lampe technisch zu verbessern. Einen grossen Einfluss der Produktionsstätte auf das Dorfleben sieht der Pensionierte nicht. Goldau sei seit jeher ein Eisenbahnort gewesen. Eine Gewerkschaft habe es in der Luxram, im Gegensatz zur Bahn, nicht gegeben. «Das wurde nicht gerne gesehen.» Unter Chef und Firmeninhaber Friedrich J. Naegeli habe es für die Mitarbeitenden wenig ­Mitspracherecht gegeben.  

Die Aufgaben rund um die Fabrik sind momentan ganz anderer Natur. Dem Grossprojekt Zukunft Arth-Goldau steht das Gebäude im Weg. Hier sollen bis 2030 bis 1300 Arbeitsplätze geschaffen werden. Die Luxram soll Platz für Tourismus- und Büroflächen machen. Wie mit den allfälligen Altlasten im Boden umgegangen werden soll, diskutiert derzeit die KAGO, Besitzerin des Areals, mit den Behörden. Bächlers letzter Besuch bei Luxram war mit der Umweltschutzbehörde. Sie nimmt sich der Altlastenthematik an, unter ­anderem klärt sie, wo wie viel Oberfläche abgetragen werden muss.

Die Zeit, als die Lampen noch mit Quecksilber hergestellt wurden, war lange, bevor Bächler dort arbeitete. Wie das Quecksilber überhaupt in den Boden gekommen ist, sei bis heute unklar. Politisch aktiv ist der Goldauer, der heute in Kriens lebt, in der Gemeinde nicht. Doch er verfolge das Geschehen. Dass sich Denkmalpflege und Heimatschutz in die Pläne der Gemeinde einmischen, versteht er nicht. Das alte Gebäude stehen zu lassen «ist ein fertiger Chabis». Ob der Heimatschutz dies auch so sieht, wird sich bis Ende Juli 2020 zeigen.

Bild: Leandra Sommaruga

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