Aufgefallen in… New York

Lights, Camera, Action!

Die Sheep Meadow im Central Park war schon die Kulisse für Blockbusters wie «The Avengers».

«Parkieren verboten» steht in Grossbuchstaben auf farbigen Zetteln, die an Pfosten kleben. Sie warnen vor der bevorstehenden Störung. Denn die Parkplätze werden von einer Filmcrew benötigt, die am nächsten Tag von fünf Uhr frühmorgens bis dreiundzwanzig Uhr spätnachts ihr Lager aufschlagen wird. Gedreht wird das Projekt «Movers and Parents». Welcher Film oder welche Serie sich dahinter verbirgt, ist aber ein Geheimnis. Denn die Filmleute wollen sich nicht von ungebetenen Zuschauern stören lassen.

Was sich vor dem Bibliotheksgebäude im Familienquartier Park Slope abspielt, ist keine Ausnahme. Denn New York City ist ein Star. In keiner anderen Stadt werden ausserhalb von Studios mehr Filme gedreht als in der Metropole der amerikanischen Ostküste. Laut einer Analyse des Finanzdienstleisters GoCompare vom vergangenen Jahr wurden in den zwanzig Jahren zuvor 7816 Projekte in der Stadt New York gedreht. Beliebteste Location war der Central Park: 231 Mal war das Naherholungsgebiet in der Mitte von Manhattan die Kulisse. Egal ob Superheldenfilme wie «The Avengers», romantische Komödien wie «When Harry Met Sally . . .» oder Dramas wie «Léon: The Professional», die Grünfläche bietet für jedes Genre den passenden filmischen Hintergrund. Doch nicht nur der Central Park zieht an. Wolkenkratzer, Backsteinhäuser und Industrieareale locken die unterschiedlichsten Produktionen in die Stadt.

Darum ist es auch nicht aussergewöhnlich, wenn auf dem Weg zum Supermarkt die Strassenseite gewechselt werden muss, weil gerade eine Episode von «The Last O. G.» mit Tracy Morgan gedreht wird. Vor dem «Old Stone House» sitzt er und wartet auf seinen Einsatz. Immer wieder erhebt er sich, geht zu einem Auto und sagt seine Zeilen auf. Bis die Szene fertig gedreht ist, dauert es. Die Passanten lassen sich davon aber kaum irritieren, gehören Filmcrews doch zum Stadtbild wie das Empire State Building, die Freiheitsstatue oder die Brooklyn Bridge.

Ist die Aufnahme im Kasten und kommt die Produktion beim Publikum an, beginnt das zweite Leben der Kulisse. So geschehen beispielsweise bei Tom’s Restaurant an der Upper West Side – die Front ist die Fassade des Stammlokals von Jerry Seinfeld in «Seinfeld» –, bei der Magnolia Bakery im Greenwich Village – das Cupcakegeschäft wird von Carrie Bradshaw aus «Sex and the City» besucht – sowie beim Haus 90, Bedford Street im West Village – hier befindet sich das Zuhause von Monica, Rachel, Joey und Chandler in «Friends», obwohl die Serie in einem Studio in Los Angeles gedreht wurde. Dank des Ruhms aus Film und Fernsehen werden diese und weitere Kulissen von Fans aufgesucht und dienen als Fotosujets. Davon profitieren auch die Eigentümer.

Im Frühjahr kam das Wohnhaus von Tony Soprano aus «Sopranos» auf den Markt. Der geforderte Preis betrug mit 3,4 Mio. $ etwa doppelt so viel, wie für vergleichbare Immobilien bezahlt wurde. Der Auftritt in einer der erfolgreichsten Serien aller Zeiten macht den Unterschied. Zugegeben: Die Serie spielt und das Haus steht in New Jersey. Doch auch in New York werden private Immobilien immer wieder für Aufnahmen benutzt. Laut «New York Times» erhalten die Immobilienbesitzer pro Episode eine Entschädigung von 1500 bis zu 50 000 $. Je nach Budget und wie lange das Filmteam das Haus in Beschlag nehmen will.

In New York gibt es aber nicht nur passive Filmstars. Hollywoodgrössen wie Robert de Niro, Scarlett Johansson oder Daniel Craig wohnen alle in New York. Sie gehen, wenn sie nicht gerade im Central Park vor der Kamera stehen, ihrem täglichen Leben nach. Und obwohl die meisten Stars Manhattan als Domizil präferieren, wohnen auch in Brooklyn Schauspieler. So kann es in Park Slope passieren, dass einem David Costabile aus «Billions» beim Brötchenholen über den Weg läuft oder man sich beim Joggen im Brooklyn Bridge Park mit Morena Baccarin aus «Deadpool» kreuzt.

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