Aufgefallen in… New York

Alles ist umsonst

Eine Warnung vorweg: Hierbei handelt es sich um Werbung. Um Werbung für die Stadt New York. Nicht dass das die Metropole an der amerikanischen Ostküste nötig hätte, fahren doch seit einer Dekade Jahr für Jahr immer mehr Menschen in die Stadt. Doch um Reklame im eigentlichen Sinne handelt es sich auch nicht. Denn zu kaufen gibt es nichts – alles ist umsonst.

Zwar ist New York eine teure Stadt: Ein guter Platz in einer Vorstellung am Broadway oder ein Ticket für die mediokre Basketball-Mannschaft der Knicks kann gut über hundert Franken kosten. Doch das muss nicht sein. Denn besonders im Sommer gibt es eine Vielzahl von Gratisangeboten. Angefangen mit dem Altbekannten: der Fähre nach Staten Island.

Wer einen Blick auf die Freiheitsstatue und die benachbarte Ellis Island werfen will, muss nicht für ein überteuertes Ausflugsboot anstehen. Die Fähre nach Staten Island erfüllt den Zweck ebenfalls. Auf der Rückfahrt bietet sie zudem ein eindrückliches Panorama von Downtown Manhattan. Zu Wasser fortbewegen kann man sich auch mit eigener Muskelkraft – wenn auch nur von Punkt A nach Punkt A. Am Pier 26 des Hudson Rivers stehen Kajaks zur Verfügung. Zwar ist mit zwanzig Minuten die Zeit ziemlich knapp bemessen, doch angesichts der Aussicht auf das One World Trade Center und die umstehenden Hochhäuser sind Klagen fehl am Platz.

Gratis sind in New York City – wie es der Name bereits verrät – auch alle 53 Freibäder. Mitbringen muss der Badegast einzig ein Vorhängeschloss, damit er die Habseligkeiten im Schliessfach verstauen kann. Am eindrücklichsten ist das Freibad im Barretto Point Park in der Bronx, das am Pier angemacht auf dem East River treibt. Wer sich im Pool abkühlt, kann die Flugzeuge nach La Guardia beobachten, über die benachbarte Gefängnisinsel Rikers sinnieren oder in der Ferne die Wolkenkratzer von Manhattan zählen.

Die meisten Gratisangebote gibt es in New York aber an Land, oder genauer auf den Grünflächen der Stadt. Zwischen den Parks findet jedes Jahr ein regelrechter Wettbewerb statt. So traten im Prospect Park von Brooklyn heuer unter anderem mit Patti LaBelle, Calexico and Iron & Wine, Tortoise, Chucho Valdés und Nilüfer Yanya ein breites Spektrum von Musikern auf. Dem stand der Central Park von Manhattan mit Auftritten unter anderem von Parquet Courts, Jack DeJohnette, Alvvays, Japanese Breakfast und FELA! (Kuti) aber keinesfalls nach.

Dem Wettbewerb entzieht sich die New Yorker Philharmonie. Sie geht auf Parktournee und spielt Werke von Rossini und Rachmaninoff in jedem der fünf Stadtbezirke. Örtlich gebunden ist hingegen Shakespeare in the Park – ein Highlight des Sommers. Seit 1962 werden im Delacorte Theater im Central Park Werke des Altmeisters aufgeführt. Wer sich einen Platz ergattern will, muss früh aufstehen. Denn schon Stunden vor Beginn bildet sich eine lange Schlange. Doch auch hier gibt es mit Gratisvorstellungen von anderen Kompanien Alternativen.

Wer Lust nach etwas Modernerem hatte, der konnte im Lincoln Center die Stand-up-Comedians Roy Wood Jr., Ronny Chieung und Julio Torres sehen. Dort musste zwar auch angestanden werden, doch Kapazität hatte es für alle Interessierten. Ausreichend Platz gibt es meist auch vor den vielen Leinwänden, die in allen fünf Stadtbezirken aufgestellt werden. Gezeigt werden dort oft Filme für das breite Publikum wie Alladin, Avengers: Endgame und Aquaman.

Mitte August lohnt sich auch ein Ausflug in die Flushing Meadows nach Queens. Eine Woche bevor Roger Federer, Stanislas Wawrinka und Belinda Bencic am US Open die gelben Filzbälle übers Netz schlagen, kämpfen die schlechter klassifizierten Spieler in der Qualifikation um einen Platz im Hauptfeld. Mit vergangenen Topspielern wie Ernests Gulbis und Zukunftshoffnungen wie Ylena In-Albon gibt es auch dann bereits hochklassiges Tennis zu sehen – und obendrein ist es noch umsonst.

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