Aufgefallen in… New York

Achtung Werbung

Wer in Midtown Manhattan auf dem Times Square steht, befindet sich in einer Werbeunterbrechung in Endlosschleife. Tag und Nacht flimmern, blinken und leuchten Verkaufsempfehlungen für Kleider, Theatervorstellungen und Ferienreisen von riesigen Bildschirmen. Für viele der mehr als 65 Mio. Touristen, die jährlich nach New York reisen, ist der Besuch dieses berühmten Flecks Erde genau deswegen ein Muss.

Anders sehen es hingegen die Bewohner von Manhattan. Viele suchen Zerstreuung und ein Entkommen von der Dauerberieselung. Denn nicht nur auf dem Times Square, sondern auch in U-Bahn-Stationen und in Taxis flimmert ständig Reklame. Den unverstellten Blick in die Ferne finden sie entweder auf von Touristen überfüllten Aussichtsplattformen oder entlang des Hudson und des East Rivers. Attraktiver sind da die Flussufer. Sie wurden in den vergangenen Jahren zu wahren Naherholungsgebieten. Wo früher Frachtschiffe anlegten, gibt es heute Grünflächen, Volleyballfelder und Spielplätze. Das Vorzeigeprojekt sind die Chelsea Piers am Hudson.

Die Verschönerung findet aber nicht nur in Manhattan statt, sondern auch in den anderen Stadtbezirken wie im Brooklyn Bridge Park in Brooklyn und beim Hunter’s Point South Park in Queens. Von beiden haben Besucher einen unverstellten Blick auf die Skyline von Manhattan. Meistens zumindest. Denn auch hier gibt es unterdessen Werbeunterbrechungen. Seit kurzem zieht ein riesiger schwimmender Bildschirm um Manhattan seine Runden und stört mit seinem grellen Licht den Frieden und den Ausblick.

In Internetforen fordern erzürnte Anwohner bereits, dem Werbeboot mit Wurfgeschossen den Garaus zu machen. Denn ihnen schwant Übles. Wird die schwimmende Litfasssäule nicht eingeschränkt und lockt gar Nachahmer an, benötigt es bald eine Portion Glück und Geduld, um beispielsweise von der Südspitze Manhattans einen Blick auf die Freiheitsstatue zu erhaschen. Den gäbe es dann erst, wenn die Werbung vorbei wäre.

Bildschirme sind aber auch ohne das Werbeboot omnipräsent. In der U-Bahn, im Restaurant und auf der Strasse – überall starren die Leute auf die Smartphones. Das will das kanadische Unternehmen North ändern. Seit November bietet es im Verkaufslokal in Cobble Hill in Brooklyn smarte Brillen an. Diese projizieren Nachrichten und Informationen vom Smartphone auf das Brillenglas. Das erspart den Griff in die Tasche, wenn während des Spaziergangs das Telefon vibriert. Und mit einem kleinen Joystick, der an einem Ring am Finger getragen wird, können eingehende Nachrichten direkt beantwortet werden. Damit soll unter anderem verhindert werden, dass Leute zusammenstossen, weil sie auf die Bildschirme ihrer Smartphones starren.

Eine andere Lösung schwebt dem amerikanischen Erfinder und Künstler Ivan Cash vor. Er will alle Bildschirme ausschalten, oder zumindest den Leuten die Option geben, sich vor der Dauerberieselung zu schützen. Darum hat er eine Brille entwickelt, die Fernseher und andere Bildschirme schwarz werden lässt. Die Gruppe, die dahintersteckt heisst IRL – In Real Life oder im richtigen Leben. Über die Finanzierungsplattform Kickstarter haben Cash & Co. das Ziel ihrer ersten Finanzierungsrunde deutlich übertroffen. Die Beta-Version der Brille schicken sie im Frühling an die Geldgeber.

Ausgereift ist das Produkt noch nicht. Es kann erst die Signale von LCD- und LED-Bildschirmen ausblenden. Schwarz werden Fernseher und einige Computerbildschirme – sowie die schwimmende Litfasssäule auf den Flüssen um Manhattan. Gegen Smartphones und OLED-Bildschirme ist die Brille hingegen machtlos. Das soll sich aber ändern. Cash & Co. forschen derzeit an einer nächsten Version der Brille, die dann auch andere Bildschirmtypen ausblenden soll. Bis diese Brille in den Verkauf kommt, wird es aber noch dauern.

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