Aufgefallen in… Rom

Street Art

An einer der belebtesten Kreuzungen Roms sorgt ein Murale für Schlagzeilen.

«Grazie Roma», heisst es in einem Lied des gebürtigen Römers Antonello Venditti. In der Tat verdanken wir der Ewigen Stadt einiges. Aquädukte, die erste Art von Beton, Verkehrszeichen und noch vieles mehr stammen aus dem Römischen Reich.

Doch auch die italienische Wirtschaft profitiert von der Hauptstadt. In die Metropole strömen jährlich über 10 Mio. Touristen. Im vergangenen Jahr waren es sogar erstmals über 15 Mio. Die Tendenz ist weiter steigend. Der Anteil des Tourismus am italienischen Bruttoinlandprodukt beträgt rund 6%. Nur in wenigen Ländern liegt dieser Wert höher.

Die Fassade der Stadt strahlt also. Doch der Schein trügt. Wer mit den Bewohnern spricht, dem wird schnell klar, dass es im Innern der Stadt gewaltig bröckelt. Davon zeugen die unzähligen Schwarzmarkthändler rund um die historischen Stätten sowie der besorgniserregende Zustand der Strassen.

Wer in einer Bar sitzt und den Verkehr beobachtet, dem fällt schnell auf, wie es die unzähligen Vespafahrer durchschüttelt. Automobilisten versuchen, mit Ausweichmanövern die Schlaglöcher zu umfahren. Sogar beim Gehen merkt man, wie uneben der Belag ist.

Wirkliche Verbesserungen sind keine in Sicht. Die Römer nehmen es inzwischen mit Selbstironie. Diese Charaktereigenschaft gehört zu ihnen wie die Pastagerichte Carbonara und Cacio e Pepe zur römischen Küche.

Dass Rom aber auch hip sein kann, zeigen besonders die Arbeiterviertel Ostiense und Testaccio. In den vergangenen Jahren sind sie zu einem wahren Hotspot für Kunstinteressierte geworden. Wandmalerei ist hier so beliebt wie nur an wenigen anderen Orten der Welt. Unzählige Murales zieren die Fassaden, so auch das zurzeit grösste Europas. Auf einer Fläche von zweitausend Quadratmetern stellt es einen dreifarbigen Reiher dar. Der Vogel ist vom Aussterben bedroht.

Das Murale an einer der belebtesten Kreuzungen Roms sorgt in jüngster Zeit aber nicht nur wegen seiner Grösse für Schlagzeilen. «Hunting Pollution», so heisst es, hat nämlich einen speziellen Nebeneffekt. Die Hälfte wurde mit der Anti-Smog-Farbe Airlite gemalt. Sie nutzt die Energie des Lichts und hat die gleiche Wirkung wie Pflanzen – sie reduziert die gleiche Menge an Schadstoffen in der Luft wie dreissig Bäume.

Mit anderen Worten: Tausend Quadratmeter einer mit dieser Spezialfarbe behandelten Wand sollen die von über achtzig Autos an einem Tag verursachte Luftverunreinigung kompensieren. Der stilisierte Vogel fängt seine Beute damit nicht nur symbolisch auf dem Murale, er trägt gleich selbst dazu bei, die Luft zu säubern.

Entstanden ist das Projekt nach einer Idee von Veronica De Angelis, Präsidentin von Yourban 2030. Diese Non-Profit-Organisation beschäftigt sich mit ökologischer Nachhaltigkeit und Kunst. Gemalt wurde «Hunting Pollution» von Federico Massa. Er ist Mailänder und hat sich unter dem Alias Iena Cruz in der weltweiten Kunstszene einen Namen gemacht. In New York arbeitet er als Maler und Bühnenbildner zu Themen wie dem Klimawandel und den Risiken der Umweltverschmutzung.

Wer nur wenig Zeit in der Ewigen Stadt hat, entdeckt auch mitten in der Innenstadt viele Wandmalereien. Eines könnte in erster Linie Fussballfans interessieren. In Gehdistanz vom Kolosseum ziert ein meterhohes Porträt des ehemaligen Fussballers und langjährigen Roma-Kapitäns Francesco Totti die Fassade. Weitere Murales lassen sich in der App StreetArtRoma entdecken. Die Applikation verschafft einem schnell einen Überblick und überzeugt durch die Beschreibungen der Murales auf Italienisch und Englisch.

Rom besticht also längst nicht mehr nur durch die eindrückliche Geschichte, die faszinierenden Bauten und die geschmackvolle Küche. Auch Fans von Street Art kommen in der Metropole immer mehr auf ihre Kosten. Grazie Roma.

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