Aufgefallen in… Rom

...und Action!

In Rom werden seit dieser Woche wieder Film gedreht: 2015 ist am Tiber eine Szene vom James-Bond-Film «Spectre» gedreht worden.

Was wäre Rom ohne Filmsets. Wer die Stadt durchstreift, trifft in normalen Zeiten automatisch auf kleine und grössere Filmequipen bei der Arbeit. In der Regel weist eine Gruppe von hintereinander geparkten Möbelwagen darauf hin, dass in der Nähe eine Serie, ein Werbespot oder eine Kinoproduktion entsteht. Die Laster enthalten die Kostüme und technisches Gerät, die von den Technikern je nach Bedarf hin- und hergetragen werden.

55 Tage lang fehlte dieser Anblick im Stadtbild wegen des Corona-Lockdown. Aber seit Montag ist damit Schluss. Die Region Latium nutzte die von der Landesregierung verfügte Lockerung der Ausgehbeschränkungen, um sicherzustellen, dass die Filmindustrie von Anfang an in der Phase 2 dabei sein darf.

Die Branche sei für Rom wirtschaftlich zu wichtig, um zu lange still zu stehen, kommentierte der Vizepräsident der Region den Beschluss. Bei den Tausenden von Geschäften und Hotels, die vorerst geschlossen bleiben müssen, traf er damit auf wenig Verständnis. Auch deshalb, weil es auf den ersten Blick unmöglich scheint, die strengen Hygieneauflagen auf einem Filmset besser einhalten zu können als beim Coiffeur oder im Restaurant.

Muss Tom Cruise bei der Fortsetzung der wegen Covid unterbrochenen Dreharbeiten zu «Mission Impossible» Teile 7 und 8 erst sein Fieber messen, bevor von einem Palazzo auf den anderen springt? Und müssen sich die Zuschauer daran gewöhnen, dass Schauspieler in Kussszenen künftig ihre Mundschutzmasken anbehalten? Die Antworten lauten ja und nein.

Tatsächlich gelten seit Montag strenge Auflagen am Set. Ein Arzt muss anwesend sein. Bei jedem Mitarbeiter inklusive der Schauspieler muss zweimal täglich die Körpertemperatur gemessen werden. Der Sicherheitsabstand von rund 1,5 Metern ist zu respektieren. Und ja, es gilt eine Maskenpflicht. Die Schauspieler dürfen den Schutz nur kurz vor Beginn einer Szene ablegen. Der Filmkuss wird also auch künftig ohne Mundschutz ausgeführt werden. Die Akteure müssen ihn aber gleich danach, wenn die Aufnahme zu Ende ist, wieder überstreifen. Immerhin ist im Beschluss der Regionalregierung nicht von Einweghandschuhen die Rede. Aber ausreichend Desinfektionsmittel müsse vorhanden sein, damit man sich die Hände ausgiebig reinigen könne. Auch ist eine kurze Schulung für die Filmequipen vorgesehen, bevor sie die Arbeit aufnehmen.

Es wird sich zeigen, ob diese neue Form des «Covid-Acting» Schule macht. Eines steht aber fest: Der Bedarf an neuen Produktionen ist riesengross. Seit Wochen senden die italienischen Fernsehkanäle nur noch Wiederholungen und alte Konserven aus den Archiven. Filmprojekte stehen bereits an. So wurde diese Woche der Vertrag für die nächste Staffel der Verfilmung des Bestsellers «Meine geniale Freundin» unterzeichnet. Aus der Not heraus machte der Regisseur Daniele Vicari eine Tugend: Er dreht gerade in der Hauptstadt einen Kinofilm, bei dem alle Beteiligten inklusive Darsteller ausschliesslich von zu Hause aus mitwirken.

Aber die Filmbranche leidet nicht nur unter dem Stillstand in den Studios, sondern auch darunter, dass öffentliche Aufführungen verboten sind. Noch vor dem Ausbruch der Pandemie abgedrehte Filme können nicht gezeigt werden. Die in Rom gedrehte Netflix-Komödie «Love Wedding Repeat» wurde weltweit online aufgeschaltet – und verzeichnete Rekordzuschauerzahlen – während der Vertrieb in Italien noch zuwartet. Er möchte sie erst in den Kinos des Landes zeigen.

Dort ist die Sorge gross. Nicht alle 470 Leinwände in der Region Latium werden das Virus überleben. Das Kinosterben der vergangenen Jahre dürfte sich beschleunigen. Ein Rezept dagegen ist noch nicht gefunden. Immerhin ein neues Filmtheater könnte dazukommen: Das vor den Toren Roms gelegene Autokino, das 1957 als erstes seiner Art in Europa Premiere feierte, soll nach jahrzehntelanger Pause wiedereröffnet werden.

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