Aufgefallen in… Vancouver Island

Ein Kölsch von der Insel

Mit Blick nach vorn machen Hoyne vor allem die Preise an den Rohstoffmärkten Sorgen.

Die Farbe stimmt schon mal, und auch der erste Schluck erinnert an die Heimat. Erfrischend, leicht und beruhigend im ­Abgang. Kaum zu glauben, doch der regionalen Craft-Bier-Brauerei Hoyne auf Vancouver Island ist es gelungen, ein gutes Kölsch zu brauen. Das Geheimnis des ­Erfolgs liegt im Detail, denn die Zutaten Malz, Hopfen und die spezielle Kölsch-Hefe werden alle aus Deutschland auf die Insel verschifft. Angesichts der aktuellen Probleme bei den Lieferketten ist das kein leichtes Unterfangen.

«Der einzige Teil unseres Kölsch, der nicht aus Deutschland stammt, ist das Wasser», erklärt Sean Hoyne, Gründer und Inhaber der Brauerei, im Gespräch mit FuW. «Dafür verlassen wir uns auf die sauberen, klare Quellen von Vancouver ­Island.» Das Kölsch ist erst seit anderthalb Jahren auf dem Markt und bereits ein Bestseller, wie er versichert. Die Idee für das Bier aus Köln, an dem sich weltweit ­einige Nachahmer mehr schlecht als recht versuchen, hatte Hoyne schon lange: «Ich bewundere die Brauereikultur in Europa zutiefst. Die Brauereien dort existieren seit Jahrhunderten. Die Biere haben so lange überlebt, das müsste auch hier bei uns funktionieren.»

Neben dem Kölsch aus Köln braut Hoyne noch ein Dortmunder Lager und zwei Münchner Weizenbiere. Besucht hat er die Orte noch nie. «Die Städte stehen aber ganz oben auf meiner Reiseliste», so Hoyne, der seit den Achtzigerjahren in der Brauereibranche auf Vancouver Island ­tätig ist. 2011 wagte er mit einer geleasten kleinen Acht-Hektoliter-Brauanlage den Schritt in die Selbständigkeit. Heute braut die Hoyne Brewery etwa 30 000 bis 35 000 Hektoliter Bier im Jahr und beschäftigt rund fünfzig Mitarbeiter.

Selbst das Abfüllen der Fässer, Flaschen und Dosen und die Auslieferung an die Kunden übernimmt der Familienbetrieb selbst. Flaggschiffe sind das Hoyne Pilsner, das in so gut wie jedem Restaurant auf Vancouver Island auf der Karte steht, und das feine Dark Matter Brown Ale, das besonders im Winter gerne getrunken wird. Dazu kommen verschiedene IPA und Stout sowie englische Lager-Biere.

Mit ihrem beachtlichen Output zählt Hoyne Brewing zu den Top Ten der Craft-Brauereien in der kanadischen Provinz British Columbia (BC). Der Markt ist hart umkämpft. Rund 120 private Brauereien sind allein in BC aktiv, ihr Marktanteil beträgt etwa 20% und wächst stetig. Hoyne sieht die anderen aber nicht als Konkurrenten: «Wir versuchen alle zusammen, den grossen wie Molson, Sleeman und Labatt Anteile wegzunehmen, und das gelingt uns ganz gut», sagt er.

Geschmacklich sind die Craft-Biere den Bieren, die auf Massengeschmack setzen, weit überlegen. Daher versuchen die etablierten Hersteller über den Preis, die Expansion der Craft-Brauereien zu verhindern. Zudem diversifizieren sie ihr ­Angebot in den Ready-to-Drink-Markt und setzen auf gemischte Fertigprodukte wie etwa Alcopops. «Für uns ist das keine Option», erklärt Hoyne und winkt ab.

Hoyne Brewing, die zu 100% der Familie gehört, wirtschaftet profitabel. Investoren, die versuchen würden, in den Businessplan reinzureden, gibt es keine. Den Gewinn investiert Hoyne beständig in die Brauanlagen. Vor gut einem Jahr, mitten in der Pandemie, kam eine neue Abfüll­anlage aus Italien dazu. Falls nach den ­Investitionen noch etwas übrig bleibt, unterstützt die Hoyne-Familie diverse lokale Charity-Projekte.

Mit Blick nach vorn machen Hoyne vor allem die Preise an den Rohstoffmärkten Sorgen. Kritisch könnte es mit der Gerste werden, da die Ukraine einer der weltweit grössten Exporteure ist. Sorgenfalten machen ihm aber auch die hohen Energiepreise. Durch die hohen Öl- und Gaspreise wiederum werden Ernte und auch Transport der Rohwaren deutlich teurer. «Gerade jetzt nach der Pandemie treffen uns die Preissteigerungen hart, unsere Margen leiden», so Hoyne. Doch er bleibt opti­mistisch, dass seinem Betrieb noch ein langer Weg bevorsteht.

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