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Auftragsrekord für VW-Tochter Traton

Der Nutzfahrzeugkonzern hat im ersten Quartal deutlich mehr Bestellungen erhalten. Vor allem Lastwagen und Kleinlaster sind gut gelaufen.

(Reuters) Die VW-Nutzfahrzeugtochter Traton (8TRA 27.36 0%) lässt die Pandemie hinter sich. Der Auftragseingang war zu Jahresbeginn so hoch wie nie zuvor, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Insgesamt orderten Kunden 81.700 Lastwagen und Busse, das ist ein Zuwachs um mehr als die Hälfte. «So rasch wie die Pandemie vor einem Jahr das Nutzfahrzeuggeschäft getroffen hat, so rasch geht es nun mit den Bestellungen unserer Kunden wieder aufwärts», sagte Traton-Chef Matthias Gründler. Allerdings sei die Pandemie noch nicht überstanden. «Wir müssen sehr wachsam bleiben.»

Während die Wirtschaft in Asien und Nordamerika deutlich an Schwung gewonnen hat, hinkt die Euro-Zone hinterher, der wichtigste Traton-Markt. Zudem sind vor allem Lastwagen und Kleinlaster der Marken Scania, MAN (MAN 72.00 -0.14%) und VW gefragt. Bei den Bussen waren dagegen weiterhin die Folgen der Pandemie zu spüren: Hier sank der Auftragseingang um 46% auf 3000 Fahrzeuge.

Traton hatte bereits im April vorläufige Zahlen vorgelegt und die Prognose angehoben. Schon jetzt lägen alle wesentlichen Kennzahlen über den Werten des ersten Quartals 2019 und damit über dem Niveau vor Ausbruch der Corona-Pandemie. Die bereinigte operative Rendite bei dem Unternehmen lag im ersten Quartal bei 7,9%, für das Gesamtjahr werden 5 bis 7% erwartet. Bei Analysten kamen die Zahlen gut an. «Der starke Auftragseingang im ersten Quartal gibt uns Zuversicht für Umsätze und Gewinnmargen ab dem zweiten Quartal», schrieben die Experten von Barclays (BARC 180.32 +0.68%). Die Fachleute der Citi bezeichneten den Ausblick als relativ konservativ. Sollten die Geschäfte sich so entwickeln wie erwartet, dürfte die Marge am oberen Ende der Spanne liegen.

Allerdings hinkt die Tochter MAN den anderen Marken Scania und VW weiter bei der Ertragskraft hinterher. Gründler hat dem Unternehmen einen Sparkurs verpasst und das Werk in Plauen verkauft. In Steyr in Österreich sei Traton klar auf dem Weg, den Standort zu schliessen, sagte Gründler. MAN werde jedoch weiter mit dem Investor WSA des früheren Magna-Chefs Siegfried (SFZN 825.50 +0.86%) Wolf sprechen. Wolf hatte zuletzt die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich mit ins Boot genommen. «Das jetzt vorliegende Konzept erscheint uns schlüssig, dass damit der Standort MAN erhalten werden kann», hiess es von dem Institut. Jetzt bleibe abzuwarten, wie die weiteren Verhandlungen laufen. Die Belegschaft in Steyr hatte mehrheitlich gegen eine erste Offerte von WSA gestimmt.

Traton hält derzeit 94,36% an MAN und bietet den verbliebenen Aktionären nun 70,68 Euro je Aktie – das entspricht einem Aufschlag von 27% auf den Schlusskurs vom Freitag. Der Squeeze-Out kostet das Unternehmen damit mehr als 586 Millionen Euro. Traton-Chef Gründler sagte, er verspreche sich sich davon, schneller und agiler handeln zu können. Die Zustimmung der MAN-Hauptversammlung ist für den 29. Juni geplant.

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