Meinungen

Augen zu…

Die Aktienmärkte werden wohl weiter steigen – aber das wird nicht ohne Rückschläge geschehen. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Alexander Trentin.

«Doch die Märkte sind nicht blind vor Euphorie. Auf einen Absturz der Aktienkurse zu setzen, wäre ­daher verfehlt.»

Seit der schlimmsten ­Coronapanik an den Börsen ist der globale Aktienmarkt gut 50% avanciert. Im Vergleich zum Vorjahr notieren Aktien im Plus. Damit hatte kaum jemand gerechnet, denn der Wirtschaftseinbruch war verheerend. Die Krise ist nicht ­ausgestanden – und wird die Unternehmen noch auf Jahre hinaus prägen.

Doch die Märkte sind nicht blind vor Euphorie. Auf einen Absturz der Aktienkurse zu setzen, wäre ­daher verfehlt. Denn die Kurse hatten schnell reflektiert, dass es ­Gewinner der Pandemie geben wird. So konnten einige Unternehmen, besonders aus dem Technologiesektor, ihren Marktanteil ausbauen und sind so gut aufgestellt, dass sie den ­Gewinn noch lange steigern werden.

Wer jetzt in Aktien investiert, muss eine lange Perspektive einnehmen. Die Devise heisst: Augen zu und durch. Kurzfristig droht nämlich neues ­Ungemach. Die US-Wahlen könnten ­weniger klar sein, als man an den Märkten annimmt, und die zweite Pandemiewelle wird von den Anlegern bisher zwar grossteils ignoriert, aber niemand kann garantieren, dass die Börsenstimmung bei einem zweiten Lockdown nicht kippt.

Aktienstrategen setzen bereits darauf, dass die Konjunktur anzieht (Lesen Sie hier mehr.»), denn die erwarteten grossen Stimuluspakete in den USA und der Eurozone könnten die zyklischen Sektoren wie Industrie und Rohstoffe anschieben. Doch das ist keine ­sichere Wette. Zu oft wurde diese sogenannte Sektorrotation schon ausgerufen – und ist dann schnell zum Stillstand gekommen. Ebenso wurde die Erholung der günstigsten Aktien, der Value-Papiere, vielmals erfolglos ­beschworen. Auch jetzt gilt: Wer in unruhigen Zeit gut schlafen will, der muss sich teure Qualitätstitel leisten.