Märkte / Makro

«Auktionen können die Effizienz steigern»

Sven Seuken, Professor an der Universität Zürich, erklärt, warum der Wirtschaftsnobelpreis an Vordenker der Auktionstheorie geht.

Herr Seuken, wie wichtig sind denn Auktionen in unserem heutigen Leben?
Es gibt unzählige Beispiele, bei denen Auktionen heute eingesetzt werden, wo das zuvor nicht der Fall war. Einerseits geschieht das dort, wo man früher administrativ entschieden hätte – beispielsweise bei der Vergabe von Lizenzen für Ölfelder oder beim Bau von Windrädern. Aber oft gibt es schon einen klassischen Marktplatz, der jedoch ineffizient ist. Ein Beispiel ist Internetwerbung: Vor 25 Jahren hat man mit Werbetreibenden noch mühsam verhandeln müssen. Heute wird der Grossteil der Internetwerbung automatisch über Auktionen verkauft. Wenn ich bei Google einen Suchbegriff eingebe, wird innerhalb von Millisekunden der Werbeplatz bei meinen Suchresultaten versteigert.

Die Nobelpreisträger Wilson und Milgrom haben komplexe Auktionsformate erarbeitet. Sieht man das auch in der Schweiz?
Ja, die Mobilfunkauktionen in der Schweiz gehören dazu, bei denen mehrere Mobilfunklizenzen gleichzeitig versteigert werden. Dabei werden kombinatorische Auktionsformate verwendet, die beispielsweise der Schweizer Regierung bei der Versteigerung der 4G-Frequenzen 1 Mrd. Fr. eingebracht haben. Das Format, das bei der Versteigerung 2012 verwendet wurde, ist die Combinatorial Clock Auction, die auch vom Nobelpreiskomitee erwähnt wurde. 

Was muss bei solchen Auktionen noch berücksichtigt werden?
Es gibt einen Trade-off zwischen den Einnahmen und der Effizienz. Die Fokussierung auf die Effizienzmaximierung macht für eine Regierung Sinn. Denn ein Gewinn ist zwar nett, aber nicht das Hauptziel. Die Lizenzen sollen ja eingesetzt werden, um eine möglichst grosse Wertschöpfung zum Wohl der Gesellschaft zu ermöglichen. Ausserdem kann man Nebenbedingungen einführen, dass beispielsweise nicht ein Anbieter alle Lizenzen erhält. Aber gleichzeitig soll das Bietverfahren nicht zu sehr eingeschränkt werden, damit es ein kompetitiver Prozess bleibt. Dieser Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital 5 Wochen ab CHF 20.– Jetzt testen Bereits abonniert?