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Aus General Electric entstehen drei Unternehmen

Der amerikanische Konzern will seine Schulden reduzieren und teilt die Geschäftsbereiche auf. Die Anleger sind euphorisch.

(Reuters) Die US-Industrieikone General Electric (GE) spaltet sich in drei eigenständige Unternehmen auf und folgt damit dem Beispiel von Siemens (SIE 137.66 -2.02%). 129 Jahre nach der Gründung des Unternehmens durch den Erfinder Thomas Alva Edison sollen bis 2024 erst die Medizintechnik- und dann die Energie-Sparte abgespalten werden, wie GE am Dienstag mitteilte. Bei GE selbst bleibt nur das Geschäft mit der Luftfahrtindustrie, in dem der Konzern aus Boston einer der wichtigsten Triebwerkslieferanten für Boeing (BA 189.75 -2.33%) und Airbus (AIR 114.42 +0.18%) ist. «Heute ist ein entscheidender Moment für GE, und wir sind bereit», sagte Vorstandschef Larry Culp.

Mit der Aufspaltung des Konglomerats, das einst weltweit als Musterbeispiel eines erfolgreichen Mischkonzerns galt, setzt er den Schlusspunkt unter die Sanierung, in die General Electric seit der Finanzkrise 2008 geraten war. 2018 fiel die Aktie sogar aus dem Dow-Jones-Index der 30 wichtigsten US-Unternehmen. Von gut 180 Mrd. Dollar Umsatz schrumpfte GE durch den Verkauf und die Abspaltung mehrerer Geschäftsbereiche bis zum vergangenen Jahr auf weniger als 80 Mrd. $. Zuletzt beschäftigte der Konzern noch 174.000 Mitarbeiter. «Durch die Schaffung von drei branchenführenden, globalen börsennotierten Gesellschaften können alle von einer stärkeren Fokussierung, einer passenden Kapitalausstattung und strategischer Flexibilität profitieren und damit langfristig Wachstum und Wert schaffen», erklärte Culp.

Er rechne nicht mit Widerständen von Belegschaftsvertretern oder Regulierern, sagte Culp der Nachrichtenagentur Reuters. Er habe nicht auf Druck von Investoren gehandelt. Er war 2018 als Sanierer an Bord gekommen und hatte sich unter anderem vom Geschäft mit der Öl- und Gasindustrie (Baker Hughes), dem grössten Teil des Finanzierungsgeschäfts (GE Capital) und dem Flugzeugleasing (Gecas) getrennt, um den Konzern zu entschulden. Der 58-jährige Culp will nach der Aufspaltung an der Spitze des verbleibenden Geschäfts mit der Luftfahrt stehen.

Siemens hat GE längst überholt

An der Börse kamen die Pläne gut an. Die gebeutelte GE-Aktie sprang um 6,8% nach oben und näherte sich dem höchsten Stand seit dreieinhalb Jahren. Einst das wertvollste Unternehmen der Welt, rangiert GE inzwischen unter ferner liefen und ist an der Börse gut 20 Mrd. $ weniger wert als Siemens, für den das US-Unternehmen einst das grosse Vorbild war.

Nun folgt GE dem Beispiel der Münchner: Sie hatten die Medizintechnik-Tochter als Siemens Healthineers (SHL 58.08 +0.35%) an die Börse gebracht und zuletzt auch das Geschäft mit konventionellen Kraftwerken und erneuerbaren Energien abgespalten. Siemens hält nur noch 35% an Siemens Energy (ENR 19.10 -2.95%). Inzwischen sind alle drei Unternehmen im Leitindex Dax notiert, und der ehemalige Vorstandschef Joe Kaeser hat sein Ziel erreicht, Wert zu schaffen. Die Depots der Siemens-Aktionäre sind deutlich mehr wert als vorher.

Anders als der Healthineers-Mehrheitseigner Siemens behält GE aber nur 19,9% am Medizintechnikgeschäft, das Anfang 2023 als GE Healthcare auf eigenen Füssen stehen soll. Von GE Renewable Energy, GE Power und GE Digital, die zusammengeführt werden sollen, will sich der Konzern ein Jahr später ganz trennen. Das neue Unternehmen von soll von GE-Manager Scott Strazik geführt werden, GE Healthcare von Peter Arduini.

Culp will GE weiter entschulden. Um mehr als 75 Mrd. $ wird er den Schuldenberg seit 2018 abgebaut haben, wenn das laufende Geschäftsjahr endet. Alle drei selbstständigen GE-Unternehmen sollen Investmentgrade-Ratings haben. Der Verkauf der restlichen Anteile an Baker Hughes und am Flugzeugleasingkonzern AerCap, an den Gecas verkauft wurde, soll weiteres Geld in die Kasse spülen. Kosten werde die Aufspaltung, die für die Aktionäre steuerfrei sein soll, rund 2 Mrd. $.

Abspaltungen sind schwer in Mode

Auf- und Abspaltungen sind seit einigen Jahren weltweit in Mode. Sie folgen der Theorie, dass Konglomerate an der Börse meist einen Bewertungsabschlag hinnehmen müssen, so dass die Teile eines Konzerns mehr wert sind als das Ganze. So bringt der Autobauer Daimler (DAI 68.85 -3.23%) sein Nutzfahrzeuggeschäft noch in diesem Jahr als Daimler Truck an die Börse, die Aktionäre bekommen dabei die Aktien des abgespaltenen Unternehmens ins Depot gebucht. Oft geht es auch um die Trennung von einem ungeliebten Firmenteil: Der Autozulieferer Continental (CON 82.70 -3.43%) hat seine Getriebe-Tochter als Vitesco abgespalten, die mit der Umstellung auf Elektroautos vor einem grossen Umbruch steht.

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