Unternehmen / Schweiz

Aus TA-Media wird Tamedia – IPO am 2. Oktober – Extradividende von 250 Mio. Fr.

Katinka Gyomlay

Die SWX Swiss Exchange wird voraussichtlich am 2.Oktober die Aktien eines der grossen Deutschschweizer Medienhäuser in ihr Haupttableau aufnehmen. In leicht verändertem Outfit präsentierte am Dienstag die Verlagsgruppe Tamedia (vormals TA-Media), zu der seit Januar auch der Verlag «Finanz und Wirtschaft» AG gehört, die Halbjahreszahlen und informierte über das bevorstehende IPO.
Unter der Federführung von UBS Warburg plaziert ein Bankensyndikat, bestehend aus der deutschen WestLB Panmure, Lombard Odier, der Zürcher Kantonalbank sowie Rüd Blass & Cie. 2 Mio. Namenaktien à 10 Fr. nom. aus dem Bestand der Familienaktionäre im Publikum. Zusätzlich zur festen Emission besteht eine Mehrzuteilungsoption (Greenshoe) im Umfang von 3 Mio. Titeln (15% des Emissionsvolumens). Damit würden insgesamt 22% aus dem Aktienbesitz der Verlegerfamilie Coninx ins Publikum gelangen. Ein weiteres Prozent ist zu Vorzugskonditionen dem Management (Optionsprogramm) und allen Angestellten (auch Journalisten) der Tamedia-Gruppe vorbehalten.
Nach Ablauf einer Sperrfrist von 12 Monaten beabsichtigt die Besitzerfamilie Coninx, weitere 10% der Aktienkapitals zu veräussern, womit sich der Anteil der frei handelbaren Aktien (Free float) auf 32% erhöhen würde. Der Emissionspreis wird in der Zeit vom 18. bis 29. September im Bookbuilding-Verfahren festgelegt. Die Spanne ist noch nicht bekannt.
Mit Blick auf europäische Medientitel, die ähnlich wie die Tamedia ihr Geschäft vom Print-Bereich her ausbauen, fallen die grossen Bewertungsdifferenzen auf (vgl. Tab. unten). In der Schweiz sind die Westschweizer Verlagshäuser Edipresse (P/E 2000 von 22) und die Wirtschaftszeitung «Agefi» kotiert. Für Patrick Eberle, Finanzchef der Tamedia, werden Vergleiche durch die stark voneinander abweichenden Produktpaletten der internationalen Medienkonzerne zusätzlich erschwert. Basierend auf einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 26 für das Jahr 2000, würde sich ein Emissionspreis von rund 330 Fr. pro Tamedia-Aktie ergeben, was einer Börsenbewertung der Gruppe von 3,3 Mrd. Fr. entspräche.
Aus strategischer Sicht geht es beim Börsengang um die Neuorganisation der Besitzverhältnisse. Mit dem Erlös aus dem IPO werden die Mitglieder der weit verzweigten Verlegerfamilie ausbezahlt. Die verbleibenden Aktionäre haben einen auf maximal zehn Jahre laufenden PoolVertrag abgeschlossen. Dem Unternehmen fliessen aus dem Börsengang keine Mittel zu. Für die geplanten Investitionen sei die Finanzierung gesichert, betonte Eberle. Zudem gab Tamedia bekannt, dass den bisherigen Aktionären vor dem IPO eine ausserordentliche Dividende (u. a. finanziert aus Wertschriftenverkäufen) von 250 Mio. Fr. ausbezahlt werde. Durch den Transfer verringert sich die Eigenkapitalquote zum Zeitpunkt des IPO von derzeit 57 auf 43%.
Der Konzern rechnet im laufenden Jahr mit Investitionen von 58 Mio. Fr. Michel Favre, seit 1992 Vorsitzender der Tamedia-Geschäftsleitung, bekräftigte denn auch die Absicht der Gruppe, den Aufbau in den (erstmals separat ausgewiesenen) Bereich Electronic Media (Fernsehen, Radio, Internet) in den kommenden Jahren zu forcieren und mit TV3 weiter Marktanteile zu gewinnen. Ein ausgeglichenes Ergebnis (auf Stufe Ebitda) erwartet Favre mit dem nationalen Fernsehprogramm in vier Jahren. Umsatzmässig verbucht der Bereich Electronic Media hohe Wachstumsraten, noch stammen jedoch über 80% der Verkäufe aus dem Print-Sektor.
Tamedia blickt auf zwei glanzvolle Jahre zurück. 1999 steigerte der Konzern den Umsatz um 13% auf 770 Mio. Fr., das Ergebnis verbesserte sich um knapp 30% auf 130 Mio. Fr. Damit stiegen die Margen im Vergleich zu anderen schweizerischen Verlagshäusern auf ein hohes Niveau. Im laufenden Jahr ist mit einer Konsolidierung zu rechnen. Die Chancen, dass der Börsengang den erhofften Erfolg bringen wird, sind intakt. Dieser Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital 5 Wochen ab CHF 20.– Jetzt testen Bereits abonniert?