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Ausnahmezustand in Omaha

Kein anderer Investor ist so erfolgreich wie Warren Buffett. Zum 50-Jahre-Jubiläum seiner Anlagegesellschaft Berkshire Hathaway belagerten 40'000 Aktionäre den Provinzort in Nebraska.

Christoph Gisiger, Omaha

Wenn Berkshire Hathaway (BRK.A 437'259.98 +1.54%) zur Generalversammlung lädt, pilgern Investoren aus allen Ecken der Welt ins Provinznest Omaha. An dem auch als «Woodstock für Kapitalisten» bezeichneten Aktionärstreffen herrschte dieses Mal besonders grosser Andrang, ist es doch exakt ein halbes Jahrhundert her, seit Warren Buffett den vormaligen Textilhersteller übernommen hat. Wie beim Konzert einer populären Rockband standen die härtesten Fans schon kurz nach Mitternacht Schlange, um sich um 7 Uhr morgens bei Türöffnung die besten Plätze vor der Bühne zu sichern, wo der legendäre Investor und sein Geschäftspartner Charles Munger während fünf Stunden für Applaus, enthusiastische Zurufe und vor allem Lacher sorgten.

«Buffett ist der beste Investor der Welt. Wem könnte ich mein Geld lieber anvertrauen?», sagt Jack Muus. Der langjährige Berkshire-Aktionär ist aus North Dakota mit seinem Enkel angereist, um ihn in die Welt des Anlegens einzuführen. Vor Begeisterung strahlt auch Erika Seran, die im Nachbarort Council Bluffs wohnt. Sie kannte Buffett schon in den Sechzigerjahren, als sie in einem Restaurant an der Kiewit Plaza servierte, wo Berkshire bis heute den Hauptsitz hat. «Mir gefällt, dass er so aufrichtig und anständig ist. Deshalb wollen mein Mann und ich mit ihm investieren», meint sie.

Genug Gründe um zu feiern

Grund zu feiern gibt es reichlich. Berkshire hat 2014 mit fast 20 Mrd. $ den höchsten Gewinn in der Unternehmensgeschichte erzielt und war im ersten Quartal erneut solide unterwegs. Seit dem Ende Dezember markierten Rekordhoch von 229’300 $ haben sich die A-Aktien zwar etwas abgeschwächt. Im Ausstellungsbereich des Kongresszentrums macht das aber kaum jemandem grosse Sorgen. Von Coca-Cola (KO 54.73 +0.4%) und Heinz, über den Autoversicherer Geico und den Süsswarenhersteller See’s Candies bis hin zur Grossbank Wells Fargo und dem Eisenbahnriesen BNSF sind mehr als vierzig Unternehmen aus dem Berkshire-Imperium präsent und laden mit zahlreichen Sonderangeboten zum Shopping ein.

Kurz nach 9 Uhr ist es soweit. Nach einem halbstündigen Unternehmensfilm, in dem sich Buffett zum Clown macht und den Boxchampion Floyd Mayweather zum Kampf herausfordert, gehen die Lichter auf dem Podium an. Der 84-Jährige tritt gefolgt von Munger vors Publikum und sagt: «Hi, ich bin Warren und das ist Charlie. Er kann hören, ich kann sehen, wir arbeiten also gut zusammen.» Was folgt, hat mit dem eintönigen Prozedere einer normalen GV kaum etwas tun. Der statutarische Teil wird am Schluss in wenigen Minuten abgespult. Umso mehr Zeit bleibt für über sechzig Fragen, die Journalisten, Analysten und Aktionäre dem Duo abwechselnd stellen.

Süssigkeiten verzehrend und Cherry Coke schlürfend, stellen sich die beiden Senioren auch heiklen Themen. Dazu zählt die zuletzt eher schwache Performance der Grossbeteiligungen Coca-Cola, IBM (IBM 144.68 +0.35%) und American Express (AXP 157.15 +1.99%). Kritik gibt es ebenfalls zur Kooperation mit dem Private-Equity-Haus 3G, das für rigorose Stellenkürzungen bekannt ist. Buffett meint dazu, dass solche Sparmassnahmen notwendig seien und es den betreffenden Unternehmen danach «ausserordentlich» gut gehe. Er verteidigt auch den Häuserbauer Clayton, der in der Presse räuberischer Geschäftspraktiken bezichtigt wurde.

Standing Ovation

Während Buffett auf jede Frage ausführlich eingeht, gibt Munger meist in kurzen, prägnanten Sätzen seinen Kommentar ab. Sein trockener Humor sorgt dabei oft für Lacher: «Mir kommt kaum ein Aktionärsaktivist in den Sinn, den ich gerne in meiner Familie hätte», sagt der 91-Jährige zum steigenden Einfluss von Firmenraidern wie Carl Icahn oder Nelson Peltz, die dereinst sogar das Berkshire-Konglomerat angreifen könnten. Ein Oberstufenschüler aus Südflorida will derweil wissen, wie er mehr Freunde gewinnen könne. Er selbst sei erst dadurch beliebt geworden, dass er «sehr reich und sehr grosszügig» geworden sei, scherzt Munger.

Viele Fragen drehen sich um generelle Themen wie die Bewertung des Aktienmarkts, die Konjunktur oder soziale Probleme. Weil die Wirtschaftsentwicklung nicht prognostizierbar sei, beziehe er sie nie in Investitionsentscheide ein, sagt Buffett und verweist auf die Grossübernahme von BNSF mitten in der Rezession. Wie attraktiv Engagements an der Börse aktuell sind, sei von der Geldpolitik abhängig, meint er: «Wenn wir mit diesen tiefen Zinsen so weitermachen, dann erscheinen Aktien sehr günstig.»

Nachdem das Treffen am Nachmittag unter stehendem Applaus aufgelöst wird, geht es mit noch mehr Shopping und Geselligkeit weiter. Obligat ist das Steak Dinner in einem der zwei Lokalrestaurants Gorat’s oder Piccolo’s, wobei Buffett am Abend gleich in beiden isst. Wer am nächsten Morgen fit genug ist, rennt den Fünfkilometerlauf durch Omaha. Hier gibt Buffett allerdings forfait. «Charlie und ich werden ausschlafen», stellte er schon im Aktionärsbrief vom Februar klar.

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Leser-Kommentare

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N. Gantenbein 06.05.2015 - 12:17
Es ist mir unverständlich, weshalb FuW es für angebracht hält, Buffett so viel Platz in der Zeitung einzuräumen. Aber seine Werbemaschine scheint auch in Zürich ihre Wirkung zu entfalten. Meines Erachtens macht es keinen Sinn, immer mit uralten Zahlen die Errungenschaften von Buffett zu würdigen. Macht es Sinn, mit Zahlen von 1965 zu rechnen? Realität ist, dass Berkshire Hathaway Inc.… Weiterlesen »