Zum Thema

Aussetzer im Devisenmarkt

International Broker sind die ersten Opfer des Kurssprungs.

Am Donnerstag um 10.29 Uhr ging die Mitteilung raus: «Nationalbank hebt Mindestkurs auf.» Und auf dem riesigen Frankendevisenmarkt passierte – vorläufig gar nichts mehr. Alle standen «unter Schock», berichtet ein Händler.

Die grossen Market Maker im Währungsgeschäft wie UBS (UBSG 17.92 +0.59%) oder Deutsche stellten keine Kurse mehr. «Die Liquidität im Franken war vollkommen weg», sagt ein zweiter Händler – in einem Markt, in dem sonst bei jeder Volatilität rund um die Uhr gehandelt wird. Einzig Fantasiepreise seien da und dort aufgeflackert. Doch für seriöse Marktteilnehmer war die Unsicherheit zu gross. Einzige Lösung: Panic Button. Kein Kurs, lautete die Botschaft bei Anfragen. «Das habe ich noch nie gesehen», sagt der Händler. Nach zehnminütiger Schockstarre öffneten die ersten Desks ihren Franken-Euro-Handel wieder, mit einer riesigen Geld-Brief-Spanne von 1 zu 1.10. Es war unklar, wo das Währungspaar sich einpendeln würde. Der erste verlässliche Trade sei bei 1.03 Franken pro Euro zustande gekommen sein, sagt der Händler, «in einem Tick von 1.20 auf 1.03.» Devisen werden für gewöhnlich auf der vierten Stelle nach dem Komma gehandelt. Es dauerte fast eine halbe Stunde, bis der Markt Tritt fasste, berichtet er. Bei Kursen unter 1 Fr. will ein weiterer Händler Interventionen der Nationalbank gespürt haben.

Für sein Institut befürchtet dieser Händler keine Devisenhandelsverluste. Doch die Nachbearbeitung laufe noch. Die Rechts- und die Compliance-Abteilung würden die Trades überprüfen.

Hart getroffen hat die Aufwertung des Frankens viele Forex-Broker. Der neuseeländische Global Brokers schied schon kurz nach Freigabe des Frankenwechselkurses aus. Die Londoner Alpari meldete am Freitagmorgen Insolvenz an. Der grosse US-Devisenhändler FXCM warnte, sein Eigenkapital würde wegen der Verluste seiner Kunden und ihren daraus entstandenen Negativsaldi den regulatorischen Vorgaben nicht mehr genügen. In der Schweiz nahm Swissquote (SQN 168.40 +3.19%) eine Rückstellung vor, betonte aber, die Stabilität der Bank sei ungefährdet. Verlustmeldungen anderer Marktakteure werden folgen.

Zum Verhängnis wurden Brokern gehebelte Devisenspekulationen. Solche Positionen werden sofort glatt gestellt, wenn der Kapitaleinsatz aufgebraucht ist. Dies aber gelang gestern nicht. Margen wurde teilweise massiv überzogen. Zwar schuldet der Kunde dem Broker die beim Liquidieren seiner Position angefallenen Verluste – Preisgarantien gibt es nicht – doch die Gelder einzutreiben, dauert, und ohne ausreichend Eigenkapital ist ein Broker geschäftsunfähig.

Auch Hedge Funds haben Milliarden verloren, berichtet ein Marktteilnehmer, ohne präziser zu werden. Ihre Gegenparteien sind die global agierenden Banken. Von dieser Seite dürften in Kürze Problemmeldungen folgen.[info 1W]