Märkte / Aktien

Australien: Der China-Boom ist Geschichte

Zwischen Australien und China tobt ein Handelskrieg. China schliesst die Grenzen für Exporte. Australien kann nur verlieren.

Urs Wälterlin, Canberra

Offiziell begonnen hatte der Konflikt Australiens mit Peking, als der australische Premierminister Scott Morrison vergangenes Jahr eine Untersuchung des Ursprungs des Covid-19-Virus forderte. Laut dem Analysten Scott Burchill könnte Morrison der Statthalter für den damaligen amerikanischen Präsidenten Donald Trump gewesen sein, dem Morrison als ideologisch stark verbunden galt. Trump selbst hatte in dieser Zeit eine zunehmend aggressivere Haltung gegenüber China eingenommen.

Peking reagierte hart auf die zwar verdeckte, aber durchschaubare Schuldzuweisung gegen China. Erst verhängte die Regierung Zölle von mehr als 80% auf die Einfuhr australischer Gerste. Später wurden Massnahmen gegen Importe auf Rindfleisch ausgedehnt, dann auf Holz, Wein, Kohle und sogar auf Hummer. Die Gründe, welche die Volksrepublik nannte, waren wenig glaubwürdig. Australien subventioniere die Gerstenproduktion und missachte damit Regeln der Welthandelsorganisation WTO, hiess es aus Peking. Und Rindfleisch aus gewissen Schlachthöfen entspreche nicht den chinesischen Qualitätsrichtlinien, so ein anderer. Morrison spricht bis heute von «wirtschaftlicher Erpressung».

Naive Regierung

Solche Rhetorik ist ein Beispiel dafür, wie naiv die australische Regierung das Kräftegleichgewicht zwischen den beiden Staaten sieht. Die Aussage des Vizepremierministers Michael McCormack, wonach «wir China genauso brauchen wie China uns» ist anderer Beweis für den scheinbaren «Realitätsverlust», der in Canberra herrsche, wie ein Kritiker jüngst meinte. Denn das Gegenteil ist der Fall: Der wachsende Wohlstand Australiens ist im Wesentlichen das Resultat des einzigartigen wirtschaftlichen Aufstiegs Chinas. Dieser Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital 5 Wochen ab CHF 20.– Jetzt testen Bereits abonniert?

Leser-Kommentare

Jörg Keller 14.06.2021 - 17:13
Bin mir nicht so schlüssig. Aber irgendwie beschleicht einen da schon ein eigenartiges Gefühl, wenn Australien (mit oder ohne Einflüstern des früheren Präsidenten Trump) mal bei China wegen dem genauen Ursprung dieser Jahrhundert-Katastrophe nachfragt…. und China nur wenige Monate später an diesem “kleinen” Handelspartner mal richtig ein Exempel statuieren möchte. Irgend etwas fehlt doch da? Stille? Wird das bei G7… Weiterlesen »
Peter W. Ulli 14.06.2021 - 18:02
Jörg Keller da haben sie das Problem genau auf den Punkt gebracht. China macht das eben sehr geschickt. In Vergangenheit wurden schon Boykotte gegen Korea oder Japan mitsamt der Bevölkerung in China durchgezogen. Hier könnte die OECD mal zeigen , dass sie unter Wirtschaftliche Zusammenarbeit mehr als nur Steuereintreiberei versteht. Wenn hier die Westliche Welt nicht gemeinsam gegen solche Machtdemonstrationen… Weiterlesen »