Die Aktien der Autozulieferers Autoneum haben vor wenigen Wochen ein neues Tiefst geschrieben. Davon gab es in den vergangenen 15 Monaten schon viele. Aus dieser Sicht entspricht das vermeintlich Neue der Normalität, weshalb atavistische Verhaltensmuster zum Tragen kommen. Also wird die Situation nicht weiter hinterfragt.

Solches wäre aber sehr wohl notwendig. Denn weshalb notiert die Aktie drei Wochen nach diesem Tief wieder auf dem gleichen Kursniveau wie vor 20 Wochen, wenn das «neue Tief» doch eine so wichtige Information ist? Trügt der erste Eindruck und die Aktie befindet sich trotz des «neuen Tiefst» gar nicht mehr im Abwärtstrend?

Bodenbildung dauert an

Nach meiner Einschätzung befindet sie sich in einem Bodenbildungsprozess. Während eines solchen Prozesses bzw. Transitionsvorgangs entstehen typischerweise Kursstrukturen, wie sie im Chart hervorgehoben sind, und die Kursschwankungen werden grösser. Investoren, deren Wahrnehmung hauptsächlich auf der Verarbeitung neuester Informationen beruht, haben bei der Erkennung dieses Vorgangs logischerweise keine Chance. Sie sehen das Neueste, aber nicht den Zusammenhang.

Die Bodenbildung von Autoneum dürfte noch einige Zeit dauern. Sie terminiert einen grossen und mächtigen Trend. Das ist kein Vorgang, der von heute auf morgen abgeschlossen ist. Um die Situation entsprechend zu bewirtschaften, braucht der Investor eine Kaufstrategie. Diese sollte die Zeit nutzen, mehrstufig sein und kurzfristige Anreize ausblenden.

Aufwärtsraum ausgeschöpft

Anfang April habe ich eine Expertise zu Credit Suisse Group N erstellt. Durch eine Bewertung der Kursstrukturen kam sie zum Schluss, dass die Aktie mittelfristig bis 13.60 Fr. steigen werde. Heute ist diese Expertise natürlich wertlos, weil die Aktie bereits auf dem genannten Niveau notiert. Aber sie ist immer noch ein gutes Beispiel dafür, dass man die später genannten Kaufgründe tatsächlich nicht kennen muss, um eine Aktie kostengünstig einzukaufen. Es reicht, den Spuren des Markts zu folgen.

Nach der heutigen Beurteilung hat der Titel das mittelfristige, aus der Flag- und ABC-Situation hervorgegangene Aufwärtspotenzial ausgeschöpft. Für den Investor steht die Entscheidung an, wie er mit der Situation umgehen will. Dabei spielt die Geschichte allfällig vorhandener Long-Positionen eine wichtige Rolle: Wer während der jüngsten Rally kaufte, hat andere Entscheidungsparameter als einer, der dasselbe vorher getan hatte. Ich würde die Positionen glattstellen, weil, anders als noch vor einem Monat, kein greifbares Positivszenario mehr zu erkennen ist. Aber man kann die Positionen freilich auch stehen lassen und spekulativ hoffen, dass die Aktie das vor einem Monat auf das auf eine Weise bereits absehbare Kursziel überziehen wird.

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