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Aymo Brunetti und Urs Zulauf starten Ausbildungsoffensive

Aymo Brunetti und Urs Zulauf gestalteten bislang die Finanzmarktregulierung. Nun bieten sie einen entsprechenden Lehrgang an.

Urs Zulauf, der langjährige General Counsel der Finma und Chefjurist der vormaligen EBK, nimmt sich erneut der Finanzmarktregulierung an – diesmal allerdings in der Ausbildung: Die Universitäten Bern und Genf lancieren einen gemeinsamen Lehrgang für ein Certificate of Advanced Studies (CAS) in Finanzmarktregulierung. Urs Zulauf ist Studiendirektor. Aymo Brunetti, Vorsitzender der Beirats Zukunft Finanzplatz, macht in der Studienleitung mit.

Was ist der Grund für das Engagement? «Ich glaube an eine gute Zukunft des Schweizer Finanzplatzes», sagt Urs Zulauf. Diese Zukunft werde aber entscheidend durch die Regulierung beeinflusst. Und: «Die Regulierung bietet auch Chancen. Um sie wahrzunehmen, müssen die heutige und die künftige Elite der Finanzmarktakteure die ökonomischen und rechtlichen Hintergründe der Regulierung kennen», ist Urs Zulauf überzeugt. Zulauf und Brunetti betreten damit Neuland: «Es gibt keinen Studiengang in der Schweiz mit einer vergleichbaren makroökonomischen und juristischen Ausrichtung», sagt Urs Zulauf.

Für ihn ist die berufliche Weiterbildung in Finanzregulierung eine wertvolle Investition in die berufliche Karriere im Finanzmarkt. «Wer die Regulierung und die Regulatoren versteht, versteht eine der wichtigsten Rahmenbedingungen im Finanzmarkt.»

Für Profis

Die berufsbegleitende Ausbildung richtet sich an Personen mit Berufserfahrung im Finanzbereich, insbesondere aus Finanzinstituten und von Behörden. Professoren der beiden Universitäten und erfahrene Gastreferenten unterrichten auf Englisch an zwölf Tagen in Bern und vier Tagen in Genf.

Heute ist Zulauf in den Diensten der CS tätig – und das soll auch so bleiben. «Die CS sieht diese Initiative positiv. Ich werde dazu mein Engagement für die CS im nächsten Jahr leicht reduzieren, aber weiterführen.» Die CS habe keinen Einfluss auf die Inhalte und die Ausrichtung des Lehrgangs. Sie werden durch die Studienleitung und die völlig unabhängige Programmleitung bestimmt.

Die Regulierung der Finanzmärkte hat sich global und besonders in der Schweiz als Folge der Finanzkrise in den Jahren nach 2007 stark beschleunigt und ausgedehnt. Die neuen Regeln erfassen praktisch alle Aspekte des Finanzmarktes und gehen über die traditionellen Ziele von Finanzmarktstabilität, funktionierenden Märkten und Kundenschutz hinaus. Sie umfassen auch den Kampf gegen Finanzkriminalität oder die grenzüberschreitende Steuerhinterziehung sowie die Umsetzung von Wirtschaftssanktionen. Zugleich nehmen Straf- und Aufsichtsverfahren gegen Finanzinstitute dramatisch zu. Globale Akteure treiben die Mehrheit dieser Aktivitäten voran.

Schwierige Übersicht

«Sogar beruflich auf dem Finanzmarkt tätigen Personen fällt es schwer, diesen Entwicklungen zu folgen», heisst in einer Medienmitteilung zum neuen berufsbegleitenden Lehrgang. Vor diesem Hintergrund haben das Departement Volkswirtschaft der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Bern und das Centre de droit bancaire et financier der Rechtsfakultät der Universität Genf diesen Lehrgang entwickelt.

Der berufsbegleitende Lehrgang bezweckt, den Absolventen die rechtliche und ökonomische Substanz sowie den Hintergrund der gegenwärtigen Trends in der Finanzmarktregulierung zu vermitteln.

Ökonomische und juristische Ausrichtung

Der Lehrgang ist ökonomisch und juristisch ausgerichtet, ebenso die Dozierenden und die Gastreferenten. Sie vermitteln den Absolventinnen und Absolventen Kompetenzen zu den Analyseninstrumenten, zu den Treibern und den Trends der regulatorischen Entwicklung im Finanzbereich. Sie sollen sowohl den Inhalt wie auch die Policy-Konzepte der globalen und der Schweizer Finanzmarktregulierung verstehen und hinterfragen können.

Die Studienleitung besteht aus Studiendirektor Urs Zulauf, Titularprofessor für Finanzmarktrecht an der Universität Genf, Aymo Brunetti, ordentlicher Professor für Wirtschaftspolitik und Regionalökonomie an der Universität Bern, und Luc Thévenoz, ordentlicher Professor für Privat-, Bank- und Finanzmarktrecht an der Universität Genf. Neben ihnen sind sieben erfahrene Dozierende und rund dreissig Gastreferenten aus der Finanzwirtschaft und von Behörden wie der Finma oder der Schweizerischen Nationalbank im Unterricht engagiert.

Beginn im April 2016

Der Lehrgang beginnt im April 2016 und dauert bis November 2016. Der Unterricht findet jeweils am Freitag und Samstag in Bern im Haus der Universität oder in Genf an der Uni Mail statt. Voraussetzung der Teilnahme für reguläre Studierende sind ein akademischer oder gleichwertiger Abschluss und mindestens drei Jahre Berufserfahrung im Finanzbereich.

Wie geht es weiter? «Der Lehrgang soll in den nächsten Jahren regelmässig wiederholt und weiterentwickelt werden », sagt Urs Zulauf.

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