Dossier-Bild Ein Artikel aus dem Dossier Nonvaleur
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Baccara und Baguette

Monaco ist mehr als nur Casino, Formel 1, Banken und Grimaldi-Glamour. Es gab (und gibt wohl immer noch) solides Handwerk im Kleinstaat an der Côte d’Azur, Backstuben zum Beispiel. Monsieur G. Barbier, der als Administrateur rechts unterzeichnet hat, übernahm um die vorige Jahrhundertwende die ­Panification Modèle. Offenbar verband sie französische mit Wiener Backtradition. Brioches und Croissants in schöner Allianz mit Knödel und Strudel – unwiderstehlich. In der Belle Epoque wusste man noch zu tafeln, sofern man sich’s leisten konnte, und über angeblich gesundheitsschädigende Nebenwirkungen war wohltuend wenig bekannt. Monaco war schon damals ein Tummelplatz der Haute Volée. Fürst Charles III hatte 1861 vier Fünftel seiner Ländereien an Frankreich abtreten müssen, dafür anerkannte der «grosse Bruder» endgültig seine Souveränität über den kargen Rest. Charles (fast) ohne Land setzte umgehend auf Tourismus – und gewann; er gründete die Société des bains de mer de Monaco, die ein Spielcasino eröffnete. Rundum entstanden Luxushotels – auf dem Felsen von Spélugues, der zu Ehren Charles’ in Monte Carlo umgetauft wurde. Baccara, Black Jack und Roulette machten Monaco rasch reich, den Untertanen wurde die Einkommenssteuer erlassen. In diesem Ambiente blühte Barbiers Boulangerie auf. Er eröffnete im Fürstentum eine zweite Niederlassung, danach eine in Nizza; anscheinend wollte Barbier auch in Menton, Cannes und an weiteren Sommerfrischen der Küste seine Backwaren anbieten. Genaueres ist nicht bekannt. Immerhin hat die Panification Modèle der Welt eine der putzigsten Aktien überhaupt hinterlassen. Die blonde Maid – damals noch eine vollkommen unverdächtige Dekoration – mit dem Kranz aus Mohnblumen, die Garbe und die Mühle im Rahmen: edle Einfalt, stille Grösse.

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