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Bär-VRP: «Wir rechnen nicht damit, dass uns alles in den Schoss fällt»

Nach sehr guten Ergebnissen in der Coronazeit sieht Romeo Lacher Herausforderungen auf Julius Bär zukommen. Dazu gehört auch die Ausbreitung der Blockchain-Technologie.

Die Privatbank Julius Bär (BAER 44.30 +1.49%) hat 2020 und 2021 stark von der Volatilität der Märkte profitiert, welche ihre Kunden vermehrt zum Handeln an den Märkten veranlasst hat. Das spielte der Bank auch insofern in die Hände, als dass sie mit diesem Rückenwind die Umsetzung einer Anfang 2020 angekündigten Strategie vorantreiben konnte.

«Das waren die ersten zwei Jahre in einem relativ langen Prozess», sagte Romeo Lacher, Verwaltungsratspräsident des Instituts, am Forum «Vision Finanz» der FuW. «Wir stellen uns auch auf eine schwierige Phase ein und rechnen nicht damit, dass uns alles in den Schoss fällt.»

Konflikte gilt es zu lösen

Lacher, der 2019 Präsident der Bank wurde, ernannte kurz darauf mit Philipp Rickenbacher einen neuen CEO. Das Führungsduo fokussiert die Strategie seitdem stärker auf Profitabilität statt Vermögenswachstum. Das schnelle Wachstum hatte Julius Bär aufgrund von Nachlässigkeiten bei der Verhinderung von Geldwäscherei in mehreren Ländern in Konflikt mit dem Regulator gebracht.

Auch wenn die Banken insgesamt gut durch die Coronakrise gekommen seien, so Lacher, sind die bestehenden Herausforderungen dadurch nicht verschwunden. Namentlich der Margendruck, ausgelöst durch den intensiver werdenden Wettbewerb und die vermehrt eingesetzte Technologie, bleibe bestehen.

Weniger Risiken

Darüber hinaus sei die Branche während der kommenden 20 bis 30 Jahre mit grossen Herausforderungen konfrontiert. Die Einführung von Blockchain-Technologien sei zu vergleichen mit der Einführung des Internets oder der elektronischen Datenverarbeitung.

So könnten mit der augenblicklichen Ausführung einer Börsentransaktion die Gegenpartei- und Fremdwährungsrisiken in Zukunft wegfallen. «Die gesamte Wertschöpfungskette kommt auf eine ganz neue Plattform», sagte Lacher. «Das wird unser Geschäft noch einmal fundamental ändern.»

Die meisten Banken dürften – angesichts der hohen Investitionen in diesen Bereich – den Wandel aber gut überstehen, so Lacher.

Nächste Generation behalten

Wachstumsperspektiven für Julius Bär sieht er derweil vor allem bei den bestehenden Kundensegmenten im Bereich der reichen und sehr reichen Leute. Mit breiterer Beratung und neuen Angeboten – etwa auch im Nachhaltigkeitsbereich – könnte der betreute Anteil am Vermögen einzelner Kunden zunehmen. Zudem gelte es sicherzustellen, dass auch nachfolgende Generationen Kunden von Julius Bär blieben.