Unternehmen / Ausland

BaFin lässt Bilanzen von K+S prüfen

Der Salz- und Düngemittelhersteller steht unter Beobachtung, es besteht der Verdacht einer Überbewertung der Vermögenswerte.

(Reuters) Die milliardenschweren Abschreibungen beim Salz- und Düngemittelkonzern K+S (SDF 15.76 +1.65%) haben ein Nachspiel. Die Finanzaufsicht BaFin lässt die Bilanzen des Kasseler Unternehmens nun prüfen, da sie konkrete Anhaltspunkte für Fehler sieht. An der Börse sorgte das am Donnerstag für einen Kursrutsch bei der K+S-Aktie: Die Anteilsscheine fielen um gut 14% auf 8,41€. Die Prüfung sei «sehr negativ» für das Unternehmen, urteilte Analyst Sven Diermeier von Independent Research. Sie sei auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass die BaFin wegen des Wirecard-Skandals besonders sensibilisiert sei.

Die BaFin beauftragte die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR), den Konzernabschluss von K+S für das Jahr 2019 sowie den Halbjahresbericht 2020 unter die Lupe zu nehmen. Wie K+S am Mittwochabend mitteilte, hat die BaFin «konkrete Anhaltspunkte», dass der Konzern Vermögenswerte in den beiden Berichten zu hoch bemessen haben könnte und der Wertminderungsbedarf ganz oder teilweise bereits zu einem früheren Zeitpunkt hätte erfasst werden müssen. «Ebenso können weitere Aktivposten von einem Wertberichtigungsbedarf betroffen sein», hiess es in der Mitteilung.

K+S hatte Anfang November Wertberichtigungen auf Vermögenswerte von rund 2 Mrd. € angekündigt, da sich das Unternehmen bei der langfristigen Entwicklung der Kalipreise verschätzt hat. Im abgelaufenen Geschäftsjahr ist daher ein Milliardenverlust zu erwarten, nach neun Monaten lag der Konzernverlust bei 1,98 Mrd. €.

Wertberechtigung nach Milliarden-Deal

«Auffällig war für uns, dass die milliardenschweren Wertberichtigungen einen Monat nach der Bekanntgabe der Verkaufsvereinbarung für das nord- und südamerikanische Salzgeschäft angekündigt worden sind», erklärte Analyst Diermeier. Wären die Wertberichtigungen bereits früher angekündigt worden, hätte das K+S bei den Verkaufsverhandlungen «deutlich unter Druck gesetzt». Der Konzern hatte Anfang Oktober den Verkauf des amerikanischen Salzgeschäfts für 3,2 Mrd. $ in bar an den US-Konzern Stone Canyon Industries mitgeteilt.

K+S erklärte, an der Prüfung vollumfänglich mitwirken und alle erforderlichen Unterlagen bereitstellen zu wollen. «Der Vorstand ist davon überzeugt, dass die Wertberichtigung ordnungsgemäss und unter Beachtung aller relevanten Rechnungslegungsvorschriften vorgenommen wurde.» Der Vorstand gehe daher davon aus, die Anhaltspunkte der BaFin entkräften zu können. Darüber hinaus wollte sich K+S nicht äussern.

Die BaFin beauftragt die DPR, wenn sie Anhaltspunkte für Fehler in den Bilanzen sieht. Erst danach kommt die BaFin selbst ins Spiel. Dieses zweistufige Verfahren der Bilanzprüfung aus DPR und BaFin wird jedoch abgeschafft. Denn im Wirecard-Skandal gelten Kommunikationsmängel zwischen der BaFin und der DPR als ein Grund, warum der Zahlungsabwickler nicht strenger überprüft wurde. Die Bundesregierung hat Gesetzesänderungen auf den Weg gebracht, die momentan im Bundestag beraten werden. Unter anderem sollen Wirtschaftsprüfer enger an die Leine genommen werden. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) will bei der BaFin Kompetenzen aufbauen. Sie soll künftig in Eigenregie handeln dürfen – auch mit «forensischen Möglichkeiten» wie Durchsuchungen und Befragungen. Die DPR soll nur noch für Stichproben in Routinefällen zuständig sein.

DPR-Präsident Edgar Ernst sagte zuletzt im parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum Wirecard-Skandal, seit 2005 habe seine Behörde 1500 Prüfverfahren über die Bühne gebracht. In 300 Fällen seien Fehler beanstandet worden.