Unternehmen / Schweiz

Bank Bär spricht von KostensenkungenFranken belastet Vermögen unter Verwaltung und Erfolgsrechnung – Sonderzahlung in Deutschland hat Folgen – Gegenmassnahmen sind notwendig

Thomas Wyss

Die diese Woche in Julius Bär verzeichnete Kurssteigerung von 10% mag auf den ersten Blick nicht so recht zum am Freitagmorgen präsentierten Halbjahresabschluss passen: Mit einem Gewinn von 196,3 Mio. Fr. wurde das letztjährige Resultat um 25% unterschritten. Allerdings gibt es für diesen Gewinneinbruch einen guten Grund. Und Aussagen von CEO Boris Collardi zur Entwicklung des Geschäftes lassen auf eine anhaltende Kurserholung hoffen.

Nach den jüngsten Kurssteigerungen notieren Julius Bär wieder auf dem Stand von Juli 2010. Zwischenzeitlich sahen die Aktionäre den Kurs Anfang 2011 bis auf fast 45 € steigen, seither entwickelte er sich vor allem Richtung Süden. Boris Collardi erklärt diese Performance mit dem allgemeinen Marktumfeld und der Tendenz vieler Anleger, eine Bewegung im Guten wie im Schlechten mit dem Marktführer zu spielen.

Freiheit kaufen

Bewahrheiten sich die Ende Woche genährten Hoffnungen auf eine Markterholung, sollten Kurssteigerungen in der Vermögensverwaltungsbranche im Allgemeinen und Julius Bär im Besonderen nichts mehr im Wege stehen – oder mindestens fast nichts mehr. Die andere grosse Unbekannte für Privatbanken, die Bereinigung der Vergangenheit, wird sich in den nächsten Monaten auch für die Bären als entscheidender Faktor erweisen – zumal die Bank ganz offensichtlich willens ist, sich mit Ablasszahlungen freizukaufen.

Das wurde in diesem Jahr deutlich, als Julius Bär in Deutschland mit der Bezahlung von 50 Mio. € Tabula rasa machte. Die Kosten von umgerechnet 65 Mio. Fr. erklären denn auch zu einem guten Teil den nun ausgewiesenen Gewinneinbruch. Ohne diese Bezahlung hätte der Gewinn 247,5 Mio. Fr. betragen, 5,2% weniger als in der ersten Jahreshälfte 2010. Wie gross die mutmasslichen Kosten für die Abgeltungssteuer mit Deutschland und Grossbritannien sowie eine allfällige Vereinbarung mit den USA sind – Julius Bär «unterstützt» entsprechende Bemühungen –, mochte CEO Collardi nicht beziffern. Als Gegenmassnahme schloss er im Gespräch mit der «Finanz und Wirtschaft» eine dritte Kostensenkungsrunde jedoch nicht aus. Als Ankündigung für ein solches Programm mochte er die Aussage jedoch nicht verstanden wissen.Damit Julius Bär und die anderen Schweizer Vermögensverwalter wieder auf Touren kommen, braucht es neben der Klärung der rechtlichen Situation vor allem auch mehr Kundenaktivitäten. Dafür wiederum ist eine bessere Stimmung an den Märkten notwendig. In der ersten Jahreshälfte waren diese beiden Faktoren nicht gegeben. Dass sich Julius Bär trotzdem vergleichsweise gut hielt, ist zum einen darauf zurückzuführen, dass dem Vermögensverwalter weiterhin Neugelder (4,9 Mrd. Fr. im Halbjahr) zufliessen. Der gegenüber dem Dollar und dem Euro starke Franken ist dieser Entwicklung förderlich. Die Stärke des Frankens respektive die Schwäche anderer Währungen reduzierte die Assets under Management jedoch um 7,7 Mrd. Fr; zusammen mit der Marktveränderung musste ein Rückgang von 9 Mrd. Fr. verzeichnet werden, womit der Vermögenszufluss mehr als kompensiert wurde.

Ziele korrigieren

Die Frankenstärke belastet das Resultat jedoch nicht nur indirekt via Vermögensbasis, sondern auch ganz direkt via Erfolgsrechnung. Der Aufwand fällt mehrheitlich in Franken an, während der Ertrag – ähnlich den verwalteten Vermögen – stark fremdwährungsbasiert ist. «Primär bedingt durch die Frankenstärke sowie zu einem kleineren Teil aufgrund des Rückgangs der Bruttomarge stieg das Kosten-Ertrags-Verhältnis von 63,2 auf 67,6%», heisst es dazu.

Das erklärte Ziel, im Jahr 2012 einen Wert von 60 bis 64% zu erreichen, ist nun gemäss CEO Boris Collardi «anspruchsvoll» – und erklärt, weshalb im Hause Julius Bär Kostensenkungen ein Thema sind.

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