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Bank of England verzichtet auf Zinserhöhung

Die britischen Währungshüter lassen den Leitzins bei 0,5%. Das Pfund reagiert mit Verlusten.

Die Bank of England verzichtet nun doch auf den seit Monaten vorbereiteten Zinsschritt. In den vergangenen Wochen hatten sich die wirtschaftlichen Daten zu sehr verschlechtert, um eine Anhebung des Leitzinses um einen Viertelprozentpunkt zu rechtfertigen. Damit belässt die britische Notenbank den Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Geld bei 0,5%. Das hat sie am Donnerstag bekannt gegeben.

Das Pfund Sterling reagierte unmittelbar auf den Entscheid. Sowohl gegenüber dem Franken wie auch dem Dollar sackte die britische Valuta ab. Sie hatte sich zuvor in Erwartung höherer Zinsen deutlich aufgewertet.

Klarer Entscheid gegen Erhöhung

Die Entscheidung im geldpolitischen Ausschuss fiel mit sieben zu zwei Stimmen relativ eindeutig. «Die wirtschaftlichen Aussichten für das Land bleiben wegen der Unsicherheiten durch den Brexit getrübt», erläuterte Notenbankchef Mark Carney an der anschliessenden Pressekonferenz. Der geplante Austritt aus der Europäischen Union im März 2019 lässt viele Unternehmen mit Investitionen zögern. Daran ändert laut Carney auch die geplante Übergangsperiode wenig.

Gleichzeitig senkte die Bank of England die Wachstumsprognose für 2018 von 1,8 auf 1,4%. Auch für die Folgejahre bleibt sie zurückhaltend. Für 2019 und 2020 wird ein Wachstum von 1,7% vorausgesagt, zuvor waren es noch 1,8% gewesen.

Schwaches Wachstum im ersten Quartal

Anlass für die Senkung im laufenden Jahr war das überraschend schwache Wachstum im ersten Quartal gewesen. Gegenüber dem Vorjahresquartal war die britische Wirtschaft nur 0,1% gewachsen, so wenig wie seit über fünf Jahren nicht mehr. Dies wurde teilweise auf den Wintereinbruch Ende Februar zurückgeführt. Er führte in zahlreichen Unternehmen zu Produktionsstopps. Auch Detailhändler berichteten über Umsatzeinbussen.

Allgemein wird erwartet, dass die Bank of England im Halbjahresrhythmus die Zinsen bis 2020 anhebt. Den ersten Schritt gab es im November 2017, als das Zinsniveau vom Rekordtief von 0,25% auf das aktuell gültige Level angehoben wurde.

Damit reagierten die Währungshüter auf die sprunghaft gestiegene Inflation. Im Zuge der Brexit-Abstimmung hatte sich das Pfund deutlich abgewertet, wodurch sich Importe deutlich verteuerten. Die Inflation ist mittlerweile aber wieder auf dem Rückmarsch. Sie betrug im April 2,5%, nachdem es zu Jahresbeginn noch 3% gewesen waren.

Zinsschritt im August angezweifelt

Nach der Absage der Erhöhung an der Mai-Zinssitzung mehren sich die Zweifel, ob die Bank of England die Zinsen wie geplant so bald anheben kann. «Das war eine ziemliche Kehrtwende», kommentiert Luke Bartholomew, Investmentstratege von Aberdeen Standard Investments. Die nun tiefer angesetzte Wachstumserwartung sowie der Hinweis, zusätzliche Indikatoren kommender Wirtschaftsdaten abzuwarten, seien ein Zeichen, dass es nicht so bald zu einer weiteren Zinserhöhung kommen werde.

ING-Ökonom James Smith wiederum glaubt, dass die Märkte tendenziell überreagieren: «Der Arbeitsmarkt boomt weiterhin, das Lohnwachstum zieht dieses Jahr an. Wir glauben, dass im August der Zeitpunkt für eine weitere Anhebung günstig ist.»

Es wird nun an der Bank of England liegen, die Kommunikation so zu gestalten, dass die Finanzmärkte sich eine klarere Meinung zu ihrer Zinsstrategie bilden können.

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