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Bank of Japan lockert die Geldpolitik weiter

Nach dem Wahlsieg der Liberaldemokraten hat die japanische Notenbank die geldpolitischen Zügel weiter gelockert. Das Anleihenkaufprogramm wird um 10 Bio. Yen aufgestockt.

Nur wenige Tage nach den Unterhauswahlen und dem Erdrutschsieg der Liberaldemokraten tagte am Donnerstag die Bank of Japan (BoJ) zur Festlegung der Geldpolitik. In ihrer letzten ordentlichen Sitzung im alten Jahr entschied sie, das Anleihenkaufprogramm um weitere 10 Bio. Yen (110 Mrd. Fr.) auf total 101 Bio. Yen auszuweiten. Den Leitzins beliess sie unverändert bei 0 bis 0,1%.

«Japans Wirtschaft kühlt sich weiter ab, und wir erwarten, dass sie bis auf weiteres sehr schwach bleiben wird», begründete  Notenbankgouverneur Masaaki Shirakawa den Entscheid. Die drittgrösste Volkswirtschaft befindet sich in der dritten Rezession seit der Jahrtausendwende.

Mit der fünften Aufstockung des Anleihenkaufprogramms in diesem Jahr ist die Bank of Japan unterdessen bei QE10 angelangt: Zehn Mal hat die BoJ seit der ­Finanzkrise 2008 Anleihen zur Stimulierung der Wirtschaft gekauft, was im Notenbankjargon quantitative Lockerung (Quan­titative Easing, QE) genannt wird.

Die Finanzmarktteilnehmer jedoch reagierten enttäuscht auf den Entscheid von Donnerstag. Viele hatten wohl mehr erwartet als nur die Fortsetzung der bisherigen Politik. Der Nikkei 225 (Nikkei 225 28'804.85 +0.34%) fiel in den vergangenen zwei Handelstagen 2,2%, der Yen wertete sich zum Dollar nach dem wochenlangen Sinkflug leicht auf.

Die BoJ steht unter Druck, die Deflation zu bekämpfen. Der designierte neue Regierungschef Shinzo Abe fordert von der Notenbank unter anderem eine Verdoppelung des Inflationsziels. Shirakawa hatte bisher eine Anhebung des Inflationsziels von 1 auf 2% strikt abgelehnt. Ein solch hohes Ziel ist laut dem Zentralbankchef kontraproduktiv für ein Land, in dem die Konsumentenpreise über Jahre kaum je mehr als 1% jährlich gestiegen sind. Im Anschluss an die Ankündigung liess er jedoch verlauten, dass die BoJ in einem Monat darüber diskutieren werde, ob es Spielraum gebe für eine Überarbeitung des Inflationsziels. In den Augen der Analysten der Commerzbank (CBK 6.43 +0.91%) ist damit Shirakawa zwar eingeknickt, aber noch nicht umgefallen. Im April läuft jedoch seine Amtszeit aus, und Shinzo Abe wird dann seinem Ziel näher sein.