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Banken wollen das Bargeld mit einer App ersetzen

SIX, UBS und ZKB sind mit der Bezahl-App Paymit auf dem Markt. Weitere Banken und der Handel sind daran interessiert. Ein neuer Standard könnte entstehen.

Die Börsenbetreiberin SIX (Swiss Infrastructure and Exchange), UBS (UBSG 15.08 +0.84%) und die Zürcher Kantonalbank (ZKB) schicken sich an, den Markt für mobiles Bezahlen in der Schweiz zu erobern. Am Mittwoch stellten sie ihre Bezahl-App Paymit vor. Die Technologie steht anderen anbietern offen, Credit Suisse (CSGN 5.35 +0.83%) und Raiffeisen werden bald mitziehen. Weitere Banken sind interessiert. «Unser gemeinsames Ziel ist es», sagt SIX-Marketing-Chef Pedro Deserrano, «das Bargeld zu ersetzen».

Die App wurde gemeinsam entwickelt, jeder der drei Partner stellt sie ihren Kunden auf individuelle Weise zur Verfügung. Die offenste Form ist die der UBS. Man muss kein Kunde der Grossbank sein, um ihre Paymit-Version zu nutzen. Nach der Installation der App muss darin ein beliebiges Konto angegeben werden, auf das man Zahlungen empfangen will. Um Geld zu senden, speichert man seine Kreditkartendaten. Gesichert ist der Zugang zur App über ein sechsstelliges Passwort.

Überweisung in Echtzeit

Einem Freund Geld zu überweisen (beispielsweise für Kinokarten oder ein Restaurantbesuch), funktioniert dann so einfach wie eine SMS zu verschicken. Man gibt den Betrag ein, wählt dessen Handynummer aus und bestätigt. Das Geld wird in der Regel in Echtzeit überwiesen. Der maximale Einzeltransaktionsbetrag sowie die 30-Tage-Limite für Senden und Empfangen von Geld betragen 500 Fr.

«Wir machen es wie ein Start-up», sagt Andreas Kubli, Leiter Digitalisierung bei UBS. «Wir legen den Fokus auf eine Kernfunktionalität.» Wenn die App im privaten Zahlungsverkehr eine kritische Masse erreicht hat, sollen weitere Funktionen dazukommen. Bereits heute wartet die SIX auch für Detailhändler mit Paymit-Lösungen auf, die ein altes Kassensystem ersetzen oder eines etablieren sollen, wo vorher keines existiert hat.

Die Payment-Spezialisten der SIX haben zunächst die Dönerbude oder den Blumenladen an der Ecke im Visier, doch soll man später auch bei den grossen Detaillisten mit Paymit bezahlen können. «Wir sind mit einigen Händlern im Gespräch», sagt SIX-Mann Deserrano.

Cash auf dem Rückzug

Denn noch dominieren im Alltag Scheine und Münzen das Bezahlen im Handel. 71% der Transaktionen werden nach Schätzung des Beratungsunternehmens A.T. Kearney 2015 in Cash beglichen. Doch waren dies 2010 noch 87%. 2020 sollen es nur noch 60% sein. Bargeldloses Zahlen setzt sich mehr und mehr durch. Die Kreditkarte hat sich hierbei als bisher einfachste Methode seit Jahren etabliert, mittlerweile lässt sich mit ihr auch kontaktlos bezahlen.

«Doch das aktuelle Zahlungssystem deckt nicht alles ab», sagt SIX-CEO Urs Rüegsegger. Vor allem im Zahlungsverkehr zwischen Privatpersonen (Person to Person, P2P) gibt es in der Schweiz bisher kaum einfache, mobile Lösungen, die das teilweise umständliche Zahlen mit Bargeld ersetzen könnten. Start-ups aus der Finanztechnologie (Fintech), aber auch etablierte Goliaths wie Apple (AAPL 141.56 +1.89%) sind dabei, mit neuen, benutzerfreundlichen Angeboten in diese Bresche zu springen.

Das muss einerseits dem Chef des führenden Schweizer Anbieters im bargeldlosen Bezahlen zu Denken geben. Erst recht, wenn die SIX mit ihrer Division Payment Services den Löwenanteil ihres Ertrags bestreitet (938 Mio. Fr. im 2014, entspricht einem Anteil von 52,1%). Und andererseits bedrohen innovative P2P-Lösungen auch das Kerngeschäft einer klassischen Retailbank.

UBS fährt grosse Kampagne

Nun sind Grossbanken nicht als Innovatoren bekannt. Was dies anbelangt, seien sie behäbige Tanker, drückt es Andreas Kubli aus. Doch wenn sie mal in Fahrt kämen, hätten sie einen ordentlichen Schub. SIX, UBS und ZKB wollen mit Paymit nun diesen Schub im Schweizer P2P-Zahlungsverkehr entwickeln. Kommen weitere Schweizer Finanzplayer hinzu (so wie es sich abzeichnet), könnte Paymit zu einem neuen Standard im P2P-Zahlungsverkehr werden. Wie eine Swisscom-Studie zeigt, vertrauen Kunden bei digitalen Angeboten immer noch vor allem zuerst ihrer Hausbank.

Kommende Woche startet UBS eine grosse Paymit-Kampagne. Seit gut zwei Wochen steht die App zum Download bereit und schon jetzt zählt sie 9000 aktive Nutzer. Die ZKB zählt deren gut 1500, bietet den Dienst aber auch nur den eigenen Kunden, eingebettet ins ZKB-E-Banking, an. Die SIX hat bisher nur 500 Downloads. Sie stellt den Dienst auch nur kostenpflichtig zur Verfügung und will dadurch explizit erreichen, dass die Nutzer primär die Apps der Banken nutzen. Die Börsenbetreiberin will vor allem den Zahlungsverkehr abwickeln und bekommt als Entwicklerin der App Lizenzgebühren von den Banken.