Meinungen

Bankkonten haben ein Risiko

Die Vollgeldinitiative soll die Sicherheit der Kunden erhöhen. Unklar ist jedoch, welche einschneidenden, schwer voraussehbaren Auswirkungen eine Umstellung hätte. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Alexander Trentin.

«Falls die Schweiz mit dem Vollgeld weltweit einen Sonderweg ginge, wäre das Ausland für kapitalsuchende Unternehmen interessanter.»

Die Vollgeldinitiative will sicheres elektronisches Geld – Buchgeld – schaffen, das von der Nationalbank herausgegeben wird. Den Bankkunden könnte durch die nun in die Öffentlichkeit getragene Diskussion etwas Wichtiges bewusst werden: Der Betrag auf dem Konto ist nur eine Forderung gegenüber der Bank. Geht diese unter, gibt es zwar eine Einlagensicherung, die bis zu 100 000 Fr. garantiert, doch nur Banknoten und Münzen sind staatlich garantierte, gesetzliche Zahlungsmittel.

Die Finanzinstitute profitieren davon, dass wir «Cash» auf dem Konto trotz der Risiken als sicheres Geld wahrnehmen. In Form von Verbindlichkeiten der privaten Banken bekommen wir unseren Lohn und zahlen damit unsere Rechnungen – und sind mit Mini-Zinsen zufrieden. Die Vollgeldinitiative will, dass wir Zahlungen vornehmen können, ohne der Solvenz einer Bank vertrauen zu müssen.

Trotz dieses löblichen Ziels: Die Umstellung des Geldsystems auf Vollgeld hätte einschneidende, schwer vorhersehbare Auswirkungen. Die Liquidität könnte knapp werden. Dadurch könnte sich ein neuer Geldersatz etablieren, etwa längerfristige Verbindlichkeiten einer Bank. Solches Quasi-Geld würde das Ziel der Vollgeldinitiative aushebeln. Um das zu verhindern, müsste Banken vorgeschrieben werden, sich nur noch mit Eigenkapital zu finanzieren, was das Kreditangebot für die Wirtschaft stark einschränken könnte.

Falls die Schweiz mit dem Vollgeld weltweit einen Sonderweg ginge, wäre das Ausland für kapitalsuchende Unternehmen interessanter. Das Argument, dass dann die hiesigen Banken mit ihrer Sicherheit punkten könnten, zieht kaum. Sonst wären sie schon längst alle über- statt unterkapitalisiert. Würden wir als Kunden Sicherheit für unsere Einlagen fordern, wären die Banken auch ohne Vollgeld sicher.

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