Märkte / Derivate

Barrieren herabsetzen – genügt das?

Hohe Volatilität im Tiefzinsumfeld: Lösungen für Anleger, die sich defensiv positionieren wollen.

Vincenzo Bochicchio und Sacha Duparc

War der Jahresausklang ein Vorgeschmack auf 2019? Während die geldpolitische Normalisierung weiter voranschreitet, deuten die Wirtschaftsindikatoren auf einen reifen Konjunkturzyklus hin und nehmen Zahl sowie potenzielle Tragweite der politischen Unsicherheitsfaktoren zu.

Folglich fahren die Kurse Achterbahn. Die Zunahme der (realisierten) Volatilität und der Korrelation zwischen den Anlagen erhöht weltweit das Risiko von breiten Marktkorrekturen.

Wer sein Portfolio mit Barriereprodukten diversifiziert hat, muss sich fragen, ob die Schutzbarrieren halten werden und was im Fall der Fälle getan werden kann.

Barriere nur am Laufzeitende

Im anhaltenden Tiefzinsumfeld bieten sich den Anlegern defensive Produkte mit immer tieferen Barrieren, die aufgrund der hohen impliziten (erwarteten) Volatilität dennoch eine attraktive Rendite versprechen. Solche Barrier Reverse Convertibles, die einen bedingten Kapitalschutz und einen Coupon bieten, gehören zur Kategorie Renditeoptimierung und sind die beliebtesten strukturierten Produkte.

In Zeiten hoher Volatilität kann allerdings selbst eine noch so tiefe Barriere durchbrochen werden. Die Konsequenzen sind je nach Art der Barrierebeobachtung aber nicht die gleichen.

Bei der Beobachtung am Laufzeitende (In Fine) ist das Berühren bzw. Durchbrechen der Barriere während der Laufzeit unerheblich. Notiert der Basiswert bei Fälligkeit nämlich darüber, kassiert der Anleger den Nominalwert plus Coupon.

Bei der fortlaufenden Barrierebeobachtung hingegen ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Kapitalschutz verloren geht, um einiges höher, denn es genügt bereits eine vorübergehende Korrektur des Basiswerts, bei der die Barriere berührt oder durchbrochen wird. Notiert der Basiswert am Laufzeitende auf bzw. unter der Barriere, erhält der Anleger bei beiden Arten der Barrierebeobachtung lediglich den Basiswert. Welche Strategie die passende ist, hängt demnach vom Anlagehorizont des Investors ab und davon, wie stark er an eine Erholung des Basiswerts glaubt.

Das Produkt auswechseln

Ist der Anleger davon überzeugt, dass der Basiswert unter seinem inneren Wert notiert, kann er auf eine (hypothetische) Regression zum Mittelwert setzen, das Produkt verkaufen und den Erlös in ein ähnliches neues Produkt investieren. Der Inhaber eines Produkts mit Barrierebeobachtung In Fine kann somit die Laufzeit seiner bisherigen Position gleichsam verlängern, indem er in ein ähnliches Produkt mit längerer Laufzeit investiert.

Wer eine Position in einem Produkt mit fortlaufender Barrierebeobachtung hält, kann es ebenfalls verkaufen und einen Emittenten beauftragen, ihm ein vergleichbares neues Produkt zu strukturieren, bei dem die Barriere nicht fortlaufend, sondern nur bei Fälligkeit beobachtet wird. Eine solche Restrukturierung setzt jedoch voraus, dass eine oder mehrere Variablen verändert werden.

Das neue Produkt muss möglicherweise eine andere Laufzeit, ein anderes Barriereniveau oder zusätzliche Bedingungen aufweisen, damit sein Wert in etwa demjenigen des alten Produkts entspricht. Auf diese Weise können Produkte, deren Barriere fortlaufend beobachtet wird und möglicherweise bereits berührt worden ist, durch Produkte mit Barrierebeobachtung In Fine ersetzt werden, die eine überproportionale Partizipation an einer hypothetischen Kurserholung des Basiswerts zulassen. Die Grundvoraussetzung für eine Investition in solche Recovery-Produkte ist die Überzeugung des Anlegers, dass sich der Basiswert wenigstens teilweise erholen wird.

Fehlt diese Überzeugung, gibt es verschiedene andere Strategien, um sein Kapital neu zu investieren. Ist die Kurskorrektur allzu einschneidend bzw. eine Kurserholung unwahrscheinlich, genügt es nicht, die ursprüngliche Position bloss in abgewandelter oder verlängerter Form nachzubilden. In diesem Fall gilt es, die Art des Exposure von Grund auf zu überdenken und das Rendite-Risiko-Profil umzustrukturieren, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, wenigstens einen Teil des ursprünglich investierten Kapitals zurückzuerlangen.

Indizes statt Einzelaktien

Eine defensivere Ausrichtung beschränkt sich nicht auf die blosse Anpassung des Barriereniveaus, sondern umfasst insbesondere auch die Wahl geeigneter Basiswerte und finanzkräftiger Emittenten. Vor jeder Investition müssen die Jahresabschlüsse, die Risiken und die technischen Faktoren sowie die Perspektiven der zugrundeliegenden Unternehmen eingehend geprüft werden. Alternativ kann in Produkte auf Indizes investiert werden.

Aufgrund ihres Aufbaus sind die Produkte auf Indizes nicht nur besser diversifiziert, sondern auch liquider. Ausserdem kann bei einem Barriereereignis der Basiswert in Form eines ETF geliefert werden. Damit lässt sich vermeiden, dass die Fälligkeit eines strukturierten Produkts im ungewollten Übergewicht eines bestimmten Titels im Portfolio resultiert.

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