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Barry Callebaut erwartet Beschleunigung

Analyse | Der Schokoladehersteller verfehlt die Wachstumserwartung für das erste Quartal. Die Verlängerung der Mittelfristziele wird freundlich aufgenommen.

Wolfgang Gamma

Barry Callebaut (BARN 1841 -0.05%) ist im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2018/19 erneut gewachsen, doch weniger rasch als vor zwölf Monaten. Das Verkaufsvolumen stieg im Zeitraum von September bis November 1,7% auf 541’109 Tonnen. Vor einem Jahr hatte der Konzern noch ein starkes Volumenwachstum von 8% gezeigt.

Im Berichtszeitraum stieg der Umsatz 0,5% auf 1,88 Mrd. Fr., wie der weltgrösste Schokoladekonzern am Mittwoch bekannt gab. In Lokalwährungen wäre der Umsatz 3,7% gestiegen und damit mehr als die Verkaufsmenge. Grund dafür sei ein besserer Produktmix. Gewinnzahlen werden zu den ungeraden Quartalen nicht bekannt gegeben.

Mit den Zahlen hat Barry Callebaut die Erwartungen der Finanzgemeinde verfehlt. Analysten hatten im Durchschnitt mit 2,6%  Volumenwachstum  und 1,93 Mrd. Fr. Umsatz gerechnet.

Spitzenreiter Amerika

Am stärksten wuchs das Unternehmen in der Region Nord- und Südamerika (+8%). Das lag deutlich über dem Marktwachstum, das die Nielsen-Marktforscher bei 1,2% sahen. Erfreulich war die zweistellige Steigerung im Gourmetgeschäft in Südamerika. In Nordamerika hofft Barry Callebaut, von der anhaltenden Konsolidierung profitieren zu können.

In Asien stieg die Verkaufsmenge 3,8%, dies nach plus 17,4% in der Vorjahresperiode. Zusätzliche langfristige Lieferverträge und Verbesserungen im Vertrieb der Gourmetprodukte sollen eine Beschleunigung bringen.

In Europa (–0,1%) konnte das Produktionsvolumen gehalten werden, was auf die Fokussierung im Industriegeschäft auf profitablere Volumen zurückzuführen ist. In der Vorjahresperiode war eine zweistellige Zunahme ausgewiesen worden.

Beschleunigung erwartet

In den nächsten Monaten dürfte das Tempo zunehmen. Die Gruppe erwartet für die kommenden Quartale insgesamt eine Beschleunigung des Volumenwachstums aufgrund kürzlich unterzeichneter Liefervereinbarungen.

So hat Barry Callebaut Anfang Dezember einen Liefervertrag mit dem britischen Biscuitproduzenten Burton’s über jährlich mehr als 12’000 Tonnen Schokolade und Compound-Schokolade abgeschlossen. Zudem übernahm das Unternehmen Produktionskapazitäten in Grossbritannien. Weitere Outsourcingvereinbarungen wurden in Indonesien getroffen. In Russland  steht die Akquisition von Inforum vor dem Abschluss.

«Wir gehen davon aus, dass sich die Entwicklung der Verkaufsmenge in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres beschleunigen wird, da zusätzliche Volumen durch neue Outsourcing-Verträge in allen Regionen und kürzlich lancierte Innovationen hinzukommen», schrieb Konzernchef Antoine de Saint-Affrique in der Mitteilung.

Mittelfristziele verlängert

Ausserdem hat der Konzern seine bisherigen Mittelfristziele bis 2021/22 verlängert, die Ende Geschäftsjahr ausgelaufen wären. Mittelfristig will Barry Callebaut ein jährliches Verkaufsmengenwachstum von 4 bis 6% sowie eine über diesem Wachstum liegende Ebit-Steigerung in Lokalwährungen erzielen. Als Wachstumstreiber werden der sich fortsetzende Outsourcing-Trend, das Wachstum in den Schwellenländern, das Gourmetgeschäft und die eigene Innovationskraft gesehen.

Diese Bestätigung der mittelfristigen Ziele hatte im Markt Signalwirkung. Nach anfänglichen Verlusten drehten die Aktien am Mittwoch ins Plus und reihten sich in der Spitzengruppe der SMIM-Titel ein.

Damit setzten sich die Aktien weiter vom Zwischentief ab, auf das sie im November und Dezember gefallen waren. Die Bewertung ist nun mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 23 für 2018/19 deutlich moderater. Analysten von Baader Helvea respektive Zürcher Kantonalbank halten das aktuelle Bewertungsniveau als passend im Branchenvergleich respektive fair. Der Schokoladehersteller hat die Wachstumsstrategie konsequent und auf kontrollierte Art vorangetrieben und hat diese Zielsetzung mit der Verlängerung der Mittelfristziele bestätigt. Im Aktienkurs sollte sich das längerfristig niederschlagen.

 

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