Unternehmen / Konsum

Bart Becht: Der verschwiegene Dealmaker

Die Business-Welt ist für Bart Becht auch nach dreissig Jahren an der Spitze spannend.

Er kennt sich aus mit Arabica und Robusta, ob gemahlen oder in Kapselform, und hat in der Kaffeewelt schon manchen Deal durchgezogen. Mit seinem neusten Coup greift Bart Becht, Chairman der JAB Holding, nach einem weiteren Geschäftsfeld, nach Softdrinks. Die Holdingtochter Keurig Green Mountain macht Dr Pepper Snapple ein Übernahmeangebot. Durch die Milliardentransaktion wächst Keurig Dr Pepper in eine neue Dimension und wird Konkurrent des Ex-Partners Coca-Cola (KO 46.6 0.82%).

Der 61-jährige Niederländer Lambertus J.H. «Bart» Becht ist einer von drei Senior-Partnern der verschwiegenen JAB Holding, in der die Milliardärsfamilie Reimann ihr Geld anlegt. Sie sind auch verantwortlich für den JAB Consumer Fund, in dem Staatsfonds wie GIC aus Singapur und etliche Family Offices engagiert sind. Bechts vertrauensvolle Beziehung zu den Reimanns nahm 1995 ihren Anfang. Damals fusionierte der Chemiekonzern Benckiser, wo Becht sieben Jahre zuvor als US-Marketingchef begonnen hatte, mit Reckitt & Colman zu Reckitt Benckiser (RB. 6779 -0.04%). In den siebzehn Jahren als CEO machte Becht, der in Groningen, Rotterdam und Chicago Wirtschaft studiert hatte, den Konsumgüterriesen zum Vorzeigeunternehmen.

Das Branchen-Know-how, erarbeitet bei Procter & Gamble (PG 83.69 0%) und Reckitt Benckiser, machte Becht zum richtigen Mann für den Kosmetik- und Parfumkonzern Coty. Dort amtierte er von 2014 bis 2016 als Interims-CEO. Er orchestrierte dabei den Kauf eines Markenportfolios von Procter & Gamble. Während dieser Zeit baute JAB eine Beteiligung von 38% an Coty auf. Inzwischen ist Becht Chairman des US-Anbieters.

Sein Flair für das Kaffeegeschäft entwickelte Becht schon früh. Er war bereits mit von der Partie, als in der ersten Hälfte der Neunzigerjahre das Röstunternehmen Green Mountain Coffee Roasters mit dem Start-up Keurig eine Zusammenarbeit einging. Daraus entstand das Kapselsystem K-Cup, ein in den USA verbreiteter Nespresso-Konkurrent. Im Kaffeegeschäft sieht Becht die einmalige Chance, einen weltweiten grossen Wettbewerber zu zimmern, wie er in einem seiner seltenen Interviews dem «Handelsblatt» verriet. Es gab Nestlé (NESN 81.48 0.27%) und daneben eine zersplitterte Branche. Das wollte Becht ändern.

Um dies zu erreichen, wagte Becht auch grosse Schritte. Er kaufte D. E Master Blenders, früher Douwe Egberts, von der Börse weg und führte sie JAB zu. Als Mondelez zwei Jahre später Jacobs Kaffee (Kaffee 131.705 0.04%) zum Verkauf stellte, griff Becht erneut zu, ohne das solide Investment Grade von JAB zu riskieren. Allein diese Transaktionen waren 15 Mrd. $ wert. Im Dezember 2015 lancierte JAB eine Offerte für Keurig Green Mountain Coffee – Bechts Kaffeereich erhielt einen weiteren Eckpfeiler.  Ketten wie Peet’s Coffee, Panera Bread oder die Donuts von Krispy Kreme ergänzen die Palette.

Die Aufmerksamkeit suchte Becht auch mit dem Dr-Pepper-Coup nicht. Er hielt sich auch hier im Hintergrund. Klar wurde dadurch, dass er JAB noch mehr als Getränkekonzern sieht als bisher, während das Geschäftsfeld Luxus verliert. Schon verkauft sind der Schuhhersteller Jimmy Choo und die Jackenmarke Belstaff. Für die Schuh- und Modemarke Bally soll Shandong Ruyi aus China die besten Karten haben.

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