Muslime, Hindus, Buddhisten: Sie alle eint inbrünstige Hingabe an Cricket. Dieses für Festlandeuropäer wunderlich wirkende Spiel ist die wahrscheinlich populärste Hinter­lassenschaft der Briten. In ganz Südasien – von Afghanistan bis Bangladesch, von Pakistan bis Nepal, von Indien bis Sri Lanka – gilt für alle Völkerschaften und Glaubensrichtungen (quasi, in freier Exegese) das oberste Gebot des Christentums: Du sollst keinen anderen Sport neben mir haben. Diese Jungen trainieren in Kaschmir, im notorisch unruhigen indischen Teil. Nach dem Ende von British India vermochte sich Maharadscha Hari Singh, der zuvor unter der Oberaufsicht der Kolonialherren Kaschmir autonom regiert hatte, nicht zwischen dem muslimischen Pakistan und dem vorwiegend hinduistischen Indien zu entscheiden – er war Hindu, sein Volk mehrheitlich muslimisch. Doch ein unabhängiger Pufferstaat liess sich nicht errichten. Dafür war wohl auch Hari Singh, eher begnadet als Homme à Femmes denn als Staatsmann, zu schwach. Es kam zum Krieg; Indien schnappte sich den grösseren, Pakistan den kleineren Teil; China griff im Norden zu. Immerhin gibt es heute im Himalaya oben ein nach Hari Singh benanntes Cricket-Turnier. (Bild: Jaipal Singh/EPA/Keystone)