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Bayer steht kurz vor Glyphosat-Vergleich in den USA

Der deutsche Pharmakonzern könnte laut Insidern die monatelangen Verhandlungen im Rechtsstreit um das Unkrautvernichter Glyphosat bald abschliessen.

(Reuters) Bayer (BAYN 54.41 -1%) steht Insidern zufolge nach monatelangen Verhandlungen kurz vor einem Vergleich mit den Glyphosat-Klägern in den USA. Ein Vergleich könnte noch in dieser Woche verkündet werden, erfuhr Reuters am Dienstag von zwei mit der Sache vertrauten Personen. Die Details, inklusive der finalen Summe, würden aber noch immer ausgearbeitet, sagte einer der Insider. Mit einem Vergleich könnte Bayer einen Schlussstrich unter die Glyphosat-Klagewelle, die den Agrarchemie- und Pharmakonzern schwer belastet, ziehen. Bayer hatte sich diese mit der 63 Mrd. $ schweren Übernahme des amerikanischen Glyphosat-Entwicklers Monsanto ins Haus geholt. Der Leverkusener Traditionskonzern sah sich in den USA zuletzt mit rund 52’500 Klägern wegen der angeblich krebserregenden Wirkung von Glyphosat konfrontiert.

Bayer wollte sich zu einem möglichen Vergleich ebenso nicht äussern wie der zuständige Mediator Ken Feinberg. Der US-Staranwalt war im Mai 2019 von einem Richter als Vermittler bestellt worden und versucht seither, eine aussergerichtliche Einigung zu erreichen. Auch Perry Weitz von Weitz & Luxenberg, eine der führenden Klägerkanzleien in dem Rechtsstreit, äusserte sich nicht. An der Börse schoss die Bayer-Aktie um rund 6% in die Höhe.

Laut «Handelsblatt» konnte Bayer eine Einigung mit seinen Klägern festzurren. Die Höhe der Vergleichssumme solle bei acht bis zehn Milliarden Dollar liegen. Eine unterschriftsreife Einigung liege vor, über sie müsse noch der Bayer-Aufsichtsrat beraten und abstimmen, schreibt die Zeitung.

Bayer-Vorstandschef Werner Baumann hatte Ende April zur Quartalsbilanz gesagt, der Konzern habe in den Vergleichsverhandlungen Fortschritte erzielt, bevor die Coronavirus-Pandemie diese erheblich verlangsamt habe. Bayer werde eine Lösung aber nur dann in Betracht ziehen, wenn diese wirtschaftlich sinnvoll und so strukturiert sei, dass künftige Fälle zu einem Abschluss gebracht werden.

Die Verhandlungen haben sich als schwierig gestaltet, weil Bayer Glyphosat auf dem Markt behalten, gleichzeitig aber weitere Klagen in der Zukunft vermeiden will. Die Klagewelle stürzte das Unternehmen in eine schwere Krise: Der Aktienkurs brach seit der Monsanto-Übernahme um fast 30 Prozent ein. Bislang hat der Konzern drei Prozesse in erster Instanz verloren und wurde zu millionenschweren Schadenersatzzahlungen verurteilt. Bis Ende August rechnet Bayer mit einer Entscheidung im ersten Berufungsverfahren in den USA.