Um zu verstehen, was gegenwärtig bei den Pharmaaktien geschieht, braucht es keine News, sondern langfristige Kursgrafiken. Roche hat im Frühling 2021 die vierzehn Monate zuvor begonnene, auf den langfristigen Primärtrend bezogene Konsolidierung beendet. Auf dieses Ereignis und seine mutmasslichen Konsequenzen hatten wir hier rechtzeitig hingewiesen. Die Aktie ist schon seit Jahrzehnten immer wieder Leader für Entwicklungen, die dann verzögert auch bei anderen Titeln im Sektor zu sehen sind.Die abgebildete Bayer-Aktie hat sich Ende 2021 formiert, indem sie eine ­sogenannte Falling Wedge ausgebildet hat. Diese Struktur ist typisch für eine erhebliche Unterspannung, die sich, wenn nach der Karenzzeit der Kipppunkt endlich durchschritten ist, in einer Rally breitmacht. Zuvor praktisch vergessene, dahindümpelnde Aktien kommen so durch die Kursbewegung selbst wieder in die Diskussion. Dazu finden sich dann natürlich auch immer Geschichten, über die man zur Situationserkennung jedoch noch nicht Bescheid gewusst haben musste. Strukturen, die sich über mehrere Jahre hinziehen, tragen später auch längere Trends.

Korrektur nicht mehr fern

Die Bayer-Aktie wird deswegen noch etliche Monate gut performen, auch wenn nach einer Avance von 39% ­innerhalb von fünf Wochen das kurze Ende der Fahnenstange nicht mehr weit entfernt sein dürfte. Ich gehe ­davon aus, dass sie ausgehend vom ­Bereich 70/75 € in Kürze eine Korrektur durchlaufen wird. Die Steilwandhausse hat viele Trittbrettfahrer angezogen. Sie springen sofort ab, wenn es nicht mehr in die gewünschte Richtung weitergeht. Die Delle dürfte deshalb nicht zu knapp ausfallen, aber davon darf sich der smarte Investor nicht beeindrucken lassen. Eine Übersicht zu pflegen, die über das Hier und Jetzt hinausgeht, lohnt sich. Das hat die Falling Wedge mit ihrem intern bröckeligen Verlauf gerade eben bewiesen.

Ende der Konsolidierung

Die Aktie von Novartis ist soeben dabei, eine zweijährige Konsolidierung zu ­beenden. Möglicherweise wird sie durch Gesamtmarkteinflüsse nächstens noch mal zurückgepfiffen. Wer sich frisch eingekauft hat, weil Novartis kurzfristig gestiegen ist, wird dann im Gegenwind stehen. Kurzfristig von einem längerfristig positiven Setup profitieren zu wollen, ist immer problematisch: weil man die Hintergründe nicht kennt und lediglich das Ereignis sieht. Mit Blick auf die nächsten Quartale wird man mit Novartis jedoch zufrieden sein können.

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