Unternehmen / Schweiz

BCV verspricht hohe DividendeErfolgsrechnung endlich ohne Sonderfaktoren – Zweites Semester wird ungefähr wie das erste – Aktien nicht mehr unterbewertet

Reto Gysi von Wartburg

Die Banque Cantonale Vaudoise (BCV) weist für das erste Semester erstmals seit ihrer Krise zu Beginn des laufenden Jahrzehnts eine Rechnung ohne Sondereffekte aus. Noch vor einem Jahr erschwerten ein grosser Handelsverlust und die Auflösung von nicht mehr benötigten Rückstellungen die Interpretation des Zwischenresultats. Seither hat die Bank im Handel die Risiken minimiert, und die letzten Rückstellungen wurden über den ausserordentlichen Ertrag aufgelöst. Damit dürften die Zahlen der BCV in Zukunft vergleichbarer und einfacher zu interpretieren sein.

Rohstoffpreise belasten

Der vorliegende Halbjahresabschluss ist solid (vgl. Tabelle). Der Minderertrag im Zinsgeschäft (–2%) und im Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft (–10%) wurde durch den Turnaround im Handel mehr als kompensiert. Darüber hinaus ist es der Bank gelungen, die Kosten leicht zu senken. Als Folge resultierte ein operativer Bruttogewinn, der den Vorjahreswert um 37% übertrifft.

In der unteren Hälfte der Erfolgsrechnung fallen die Wertberichtigungen, Rückstellungen und Verluste auf, die von 1 auf 17 Mio. Fr. erhöht wurden. Im langfristigen Vergleich ist dieses Niveau allerdings immer noch niedrig. Pascal Kiener, Direktionspräsident der BCV, erklärte gegenüber «Finanz und Wirtschaft», er gehe nicht davon aus, dass der Bedarf rasant steige. Er rechnet damit, dass der Wertberichtigungsbedarf aus dem Geschäftsfeld Trade Finance, der im ersten Semester wegen der niedrigeren Rohstoffpreise zu Buche schlug, im zweiten Halbjahr geringer ist. Dafür sieht er im Bereich der kleineren und mittleren Unternehmen eine etwas grössere Ausfallwahrscheinlichkeit, besonders in exportorientierten Branchen und bei den Garagisten. Generell stellt die BCV für das zweite Halbjahr einen Geschäftsgang in Aussicht, der dem im ersten Semester ähnlich ist. Als eine von wenigen Banken hat sie seit Neustem mehr Kundengelder als -ausleihungen in der Bilanz. Eine so hohe Refinanzierungsquote ist auf der einen Seite ein Vorteil, weil die Bank damit für den Fall gewappnet ist, dass die Kunden ihre Spargelder in andere Anlageformen umlagern. Auf der anderen Seite ist es schwierig, die neu zugeflossenen Gelder rentabel anzulegen. Gemäss Kiener ist es nach wie vor «fast unmöglich», im Interbankenmarkt zu investieren. Deshalb werden die Mittel grösstenteils bei der Nationalbank angelegt, was auf das Zinsergebnis drückt.

Rendite von fast 8%

Ein Fragezeichen bleibt: Wie und wann wird der Kanton Waadt den 17%-Anteil an der BCV plazieren, den er bekanntlich abstossen will? Mit dem Argument, die Aktien seien zu niedrig bewertet, kündigte die Regierung 2008 an, sich erst 2010 wieder zu dieser Frage zu äussern. Aus Bewertungssicht spräche im Grunde genommen nichts mehr gegen einen Verkauf. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Aktien (Basis 2009) von 14 ist angemessen, die Aktien sind nicht mehr unterbewertet.

Vielleicht hat der Kanton keine Eile, weil er die attraktive Ausschüttungspolitik der Bank schätzt, die sie soeben bestätigt hat. Das Eigenkapitalziel sieht vor, eine Kapitaldecke von 145% des gesetzlich vorgesehenen Minimums zu erreichen. Derzeit liegt der Eigenmitteldeckungsgrad noch auf 180%. Somit hat die BCV Spielraum für hohe Kapitalzahlungen.Im Einklang mit dem Wachstum des Geschäfts will die Bank die Dividende über die nächsten fünf Jahre schrittweise von 20 auf 25 Fr. pro Aktie erhöhen. Darüber hinaus werden die Aktionäre in den Genuss einer jährlichen Sonderausschüttung von 10 Fr. pro Aktie kommen, bis 2011 in Form einer Nennwertrückzahlung, danach als Sonderdividende. Aufgrund des Aktienkurses errechnet sich damit eine Rendite von fast 8%.

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