Unternehmen / Schweiz

Überbrückung bis zur geordneten Devestition von Randbereichen – Kostensenkende Massnahmen können in Ruhe angegangen werden

Daniel Cavelti

Die Titel der Allfinanzgruppe Rentenanstalt reagierten mit Kursgewinnen auf die Details der im September angekündigten Kapitalerhöhung (vgl. Kasten). Die neuen Swiss-Life-Aktien werden erwartungsgemäss mit einem Abschlag von 52% auf den Schlusskurs vom vergangenen Freitag ausgegeben. Die Aktionäre haben die Wahl, neue Aktien zu günstigen Bedingungen zu erwerben oder die Bezugsrechte, die ihnen zugeteilt werden, über die Börse zu verkaufen.
Für die Aktionäre der Zurich Financial Services, die vor der Rentenanstalt eine ähnlich strukturierte Kapitalerhöhung durchgeführt hatte, zahlte sich ein Mitmachen aus. Die Aktien notieren 4% über dem Kurs vom 17.September, als die genauen Bedingungen der Transaktion angekündigt wurden. Der Preisabschlag war vergleichbar, aber die Verwässerung wird für Aktionäre der Swiss Life wegen des Bezugsverhältnisses von 1:1 grösser als im Fall der Zurich (Bezugsverhältnis 3:2) ausfallen.
Die Emission wurde durch ein Bankensyndikat unter der Leitung der Credit Suisse First Boston vollständig gezeichnet. CS Group ist nach der italienischen Fondiaria (11,9%) mit geschätzten 8% zweitgrösste Aktionärin von Swiss Life und hat Interesse an einer erfolgreichen Plazierung. Gemäss Konzernchef Rolf Dörig – der CS-Banker übernahm vor zwei Wochen den Posten – bestätigten über 35% der Aktionäre ihre Absicht, die Bezugsrechte auszuüben. Er erwartet, dass Fondiaria zeichnen wird, weil sie an der ausserordentlichen GV die Anträge unterstützt hat. Die Reuters-Meldung, die Pensionskasse der Novartis werde «definitiv nicht» mitmachen, sei «definitiv falsch». Die Pensionskasse bestätigte am Montag, sie halte das 5%-Paket weiterhin, habe den Bestand jedoch über Put-Optionen abgesichert. Ob sie sich an der Kapitalerhöhung beteilige, sei indes noch offen.
Nachdem das statutarische Eigenkapital im dritten Quartal wegen der verhältnismässig hohen Aktienquote von über 1,9 Mrd. auf gegen 1,3 Mrd. Fr. gesunken ist, sollte die Swiss Life mit der geplanten Kapitalaufnahme von 1,1 Mrd. Fr. das Single-A-Rating halten können.
Die Kapitalerhöhung werde eine solide Basis für die Umsetzung der neuen Strategie – der Konzentration auf das Kerngeschäft – schaffen, glaubt Dörig. Die Überbrückung erlaube eine geordnete Devestition der Banca del Gottardo, der STG und der La Suisse. Für die Aktien sprechen das im April gestartete Kostensenkungsprogramm, die Reduktion des Mindestzinssatzes im BVG-Geschäft auf 3,25% ab Januar 2003 und das defensivere Risikoprofil der Versicherungsanlagen – die Aktienquote wurde auf unter 1% abgesichert.
Swiss Life hat ein neues Leben, eine neue Chance erhalten. Dörig muss jetzt die Rückbesinnung auf die traditionellen Stärken umsetzen, die sein Vorgänger Roland Chlapowski und der nächstes Jahr abtretende Präsident Andres Leuenberger eingeleitet haben. Auf mittlere Frist ist den Investoren eine Eigenkapitalrendite von 10% und eine Ausschüttungsquote von 25 bis 30% versprochen.
Hält die Börsenbaisse an, wird nicht nur das Finanzergebnis belastet, sondern auch das Devestitionsprogramm verzögert. Abschreibungen, etwa auf der mit 1,8 Mrd. Fr. bilanzierten Banca del Gottardo, könnten nochmals auf die Erfolgsrechnung und die Kapitalbasis drücken. Wer auf eine Erholung der Finanzmärkte setzt und der neuen Führung vertraut, darf die Kapitalerhöhung zu einem Ausbau des Engagements nutzen. Wer sein Geld lieber woanders anlegt, kann die Bezugsrechte über die Börse verkaufen.

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