Märkte / Anleihen

US-Staatsanleihen: Bericht über Chinas Drosselung wohl falsch

Die chinesische Devisenaufsicht dementiert einen Medienbericht, wonach China seine Kaufstrategie für US-Staatsanleihen überprüfe.

(Reuters) China ist Spekulationen entgegengetreten, es wolle als grösster ausländischer Gläubiger der USA seine Kaufstrategie für US-Staatsanleihen auf den Prüfstand stellen. Entsprechende Berichte könnten laut der chinesischen Devisenaufsicht (Safe) auf falschen Informationen beruhen oder seien womöglich eine «Falschmeldung». Die Volksrepublik fächere ihre Fremdwährungsreserven breit auf, um sie zu sichern sowie «ihren Wert zu wahren und zu mehren», teilte Safe am Donnerstag mit.

Die Agentur Bloomberg hatte am Mittwoch unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen berichtet, es gebe eine Empfehlung der für die Verwaltung der riesigen Währungsreserven zuständigen Manager, die Geschäfte zurückzufahren oder gar zu stoppen. Die Meldung setzte den Dollar unter Druck und trieb die Renditen von US-Bonds nach oben. Nach der Safe-Erklärung legte die US-Devise zu und die Renditen gaben wieder nach.

China hält Fremdwährungsreserven im Wert von rund drei Billionen Dollar und hütet damit den grössten Devisenschatz der Welt. Im Oktober entfielen allein 1,19 Bio. $ der von der Volksrepublik gehaltenen Anlagen auf US-Staatsanleihen. In dem Bloomberg-Bericht war davon die Rede, dass Spannungen in den Handelsbeziehungen zu den USA bei einer veränderten Kaufstrategie Chinas eine Rolle spielten. Die Devisenaufsicht der Volksrepublik betonte hingegen, sie richte sich «professionell nach den Marktbedingungen und dem Investitionsbedarf».

Spitzenvertreter der US-Notenbank Fed hatten sich nach Veröffentlichung der Bloomberg-Meldung zurückhaltend geäussert. Der Chef des US-Notenbankablegers von Chicago, Charles Evans, sagte vor Journalisten, China habe bereits in den vergangenen Jahren «verschiedene Ansätze» beim Umschichten ausländischer Bonds in seinem Portfolio gewählt. Sein Fed-Kollege aus Dallas, Robert Kaplan äusserte sich überzeugt, dass das im vorigen Jahr eingeleitete Fed-Programm zum schrittweisen Abbau der aufgeblähten Bilanz auch dank der Rekordstände an Liquidität an den Märkten weiter «machbar» sei. Die Fed hält insgesamt US-Staatsanleihen im Volumen von 2,4 Bio. $ und ist damit der grösste Einzelgläubiger des amerikanischen Staates.

Mit dem Programm zum Abschmelzen der Bilanz hat die Fed voriges Jahr bereits damit begonnen, auslaufende Papiere in mehreren Stufen nicht mehr zu ersetzen. So soll das in den Jahren nach der Finanzkrise zur Stützung der Wirtschaft auf insgesamt 4,5 Bio. $ angewachsene Portfolio nach und nach kleiner werden. Vor Ausbruch der weltweiten Finanzkrise 2007/08 lag die Bilanzsumme der Fed bei 800 Mrd. $. Mit dem massiven Erwerb von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren zur Stützung der Konjunktur wurde sie massiv ausgeweitet.

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