Meinungen

Beschleunigtes Kostenwachstum

Die Gesundheitsausgaben wachsen weiter deutlich stärker als das Bruttoinlandprodukt. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Peter Morf.

«Um das Kostenwachstum auf Dauer einzudämmen, braucht es weitere Massnahmen.»

Das Wachstum der Gesundheitsausgaben hat sich 2018 leicht verlangsamt. Nach den provisorischen Angaben der Konjunkturforschungsstelle Kof der ETH stiegen sie 2,7%, nach 2,9% im Jahr 2017. Daraus eine Wende abzuleiten, wäre voreilig. Das zeigen die neuen Prognosen der Kof. Sie erwartet für 2019 ein Plus von 3,6%. Für die Folgejahre wird mit Zuwachsraten von 3,3 bzw. 3,6% gerechnet.

Damit wachsen die Gesundheitsausgaben weiter deutlich schneller als das Bruttoinlandprodukt (BIP). Gemäss den Schätzungen der Kof steigt ihr Anteil am BIP von 12,4% 2017 auf 12,9% bis zum Jahr 2021. Die Ausgaben wachsen auch pro Kopf der Bevölkerung kräftig: Sie erreichen 2021 den stattlichen Betrag von 10 774 Fr., 10% mehr als 2017. Wachstumstreiber sind gemäss Kof die leicht steigenden Löhne sowie der wachsende Anteil der älteren Bevölkerung.

Die Politik tut sich mit dem Wachstum der Gesundheitsausgaben schwer. Das ist zunächst verständlich: Der medizinische Fortschritt sowie die Alterung der Bevölkerung, wichtige das Wachstum befeuernde Faktoren, sind nicht beeinflussbar. Zudem ist das Gesundheitswesen ein komplexes Gebilde. Darin tummelt sich eine grosse Zahl verschiedener Akteure mit unterschiedlichen Interessen, die mit Klauen und Zähnen verteidigt werden.

In der Folge ist das System ineffizient und unübersichtlich geworden. Dennoch gibt es Ansätze zu Vereinfachung und Effizienzsteigerung. Ein solcher wurde vom Nationalrat im Herbst endlich aufgenommen und beschlossen. Nach langem Hin und Her hat sich die grosse Kammer durchgerungen, zur monistischen Finanzierung der Gesundheitsleistungen überzugehen. Das heisst, dass die ambulanten wie auch die stationären Leistungen aus ein und derselben Hand, aus derjenigen der Krankenversicherer, finanziert werden.

Während die ambulanten Leistungen schon bisher durch die Versicherer getragen wurden, soll dies nun auch für die stationären Leistungen gelten. Sie wurden bisher zu 55% durch die Kantone und zu 45% durch die Versicherer getragen, die neu eine Rückvergütung der Kantone erhalten sollen. Aus dieser Aufteilung resultierten erhebliche und teure Ineffizienzen.

Die Einsparungen sind substanziell, sie sollten in die Milliarden gehen. Euphorie ist dennoch nicht am Platz. Die Vorlage muss noch in den Ständerat. Es wird sich zeigen müssen, ob die Kantone sowie die Linke inklusive der Grünen gegen die Vorlage opponieren und sie zu Fall bringen. Dabei hat die SP ihre Prämienentlastungsinitiative im Kopf. Demnach sollen die Krankenkassenprämien auf maximal 10% des verfügbaren Einkommens begrenzt werden. Das Anliegen klingt sympathisch, leistet jedoch nicht den geringsten Beitrag zur Kostensenkung.

Um das Kostenwachstum auf Dauer einzudämmen, braucht es weitere Massnahmen. So etwa die Aufhebung des Vertragszwangs zwischen Versicherern und Leistungserbringern. Das Anliegen ist im Parlament allerdings schon mehrmals gescheitert. Nur mit solchen Massnahmen dürfte es möglich sein, das Kostenwachstum unter das des BIP zu drücken.

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