Märkte / Rohstoffe

Bewährungsprobe für Öl

Rohstoffe:  Es wäre für den Ölpreis gefährlich, würde die Förderung nicht gesenkt.

LaSalle Brokerage

An den Rohstoffmärkten sinken die Preise. Darin zeigt sich schon die Positionierung zum Jahresende. Der Fokus vieler Rohstoffhändler bleibt auf die Organisation ölexportierender Staaten, Opec, gerichtet. Nach der Ankündigung einer sinkenden Ölförderung der Opec und einiger Nicht-Opec-Länder ab dem 1. Januar folgt nun die Bewährungsprobe. Das Ölkartell, dessen Glaubwürdigkeit nach mehreren gescheiterten Quotenkürzungen angeschlagen ist, zeigt sich diesmal entschlossen, dem Überangebot am Markt zu begegnen.

Zumindest scheint es den Opec-Ländern gelungen zu sein, grosse Finanzinvestoren von ihrer Strategie zu überzeugen. Hedge Funds bauten in den vergangenen Wochen ihre Wetten auf steigende Preise aus, was den Ölpreis zusätzlich unterstützte. In den vergangenen Tagen hat sich das Momentum etwas abgeschwächt, die Preise bewegen sich seitwärts. Rohöl der Sorte Brent handelt derzeit um 55 $ je Fass. Zwischenzeitlich war es nach der Verlautbarung der Förderkürzung auf 58 $ geklettert. Auch der Preis für die Sorte West Texas Intermediate konnte sich nicht auf dem Hoch von 54 $ je Fass halten und bewegt sich nun zwischen 51 und 54 $.

Die steigenden Preise lassen die Zahl aktiver Ölbohrstellen in USA wachsen. Gemäss dem Öldienstleister Baker Hughes werden wöchentlich Förderstellen reaktiviert. Dies ist nicht zuletzt eine Folge der positiven Terminpreiskurve. Obwohl der Preisaufschlag für Futurekontrakte mit späteren Lieferungen gesunken ist, erlaubt er es US-Ölproduzenten weiterhin, zukünftige Förderungen am Terminmarkt zu höheren Preisen zu verkaufen. Die deswegen ausgeweitete Produktion allein dürfte verhindern, dass sich der Ölpreis unkontrolliert verteuert.

Erst in den nächsten Monaten kann beurteilt werden, ob die Förderdisziplin der Ölexporteure ausreicht, um die Opec-Vereinbarung einzuhalten. Letzten Endes werden sich die Ölpreise nur dann halten können, wenn sich am Markt das Überangebot verringert. Bereits mehren sich die Anzeichen, dass sich der Kampf um Marktanteile in Asien fortsetzt. Dort bemühen sich die grossen Förderstaaten Saudi-Arabien, Irak oder Kuwait, ihre Absatzmärkte nicht zu verlieren. Grosse Gefahr droht dem Ölpreis, sollte das Förderabkommen umgangen werden und damit die Hedge Funds ihr Vertrauen in die Strategie der Opec verlieren.

Grosse Preisausschläge sind derzeit an den Agrarmärkten festzustellen. Bei den Genussmitteln scheint der Kaffeemarkt nach dem dramatischen Kurssturz der letzten Wochen Boden zu finden. Während sich die am New Yorker Terminmarkt gehandelte Sorte Arabica vorläufig noch bescheiden verteuerte, legte der Londoner Futures für die Sorte Robusta um mehr als 6% zu und führt damit die Gewinnerliste an.

Am Getreidemarkt sind die Preise zur Vorwoche gesunken. Mit grossem Interesse verfolgen Marktteilnehmer die Wetterbedingungen in Südamerika. In Brasilien konnten sich Soja und Mais prächtig entwickeln und lassen grosse Hektarerträge erwarten. Dagegen war es in Teilen Argentiniens, wo die Aussaat von Soja und Mais noch nicht ganz abgeschlossen ist, zuletzt etwas zu trocken. Die Niederschläge des vergangenen Wochenendes und die Aussicht auf mehr Feuchtigkeit haben den Sojapreis am Chicago Board of Trade zum Wochenbeginn unter 10.20 $ pro Scheffel sinken lassen. Die Exportkonkurrenz aus der südlichen Hemisphäre dürfte die Preise für Futures in USA vorläufig unter Druck halten.

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