Märkte / Makro

Biden löst Trump ab

Die Machtübergabe in Washington ist in vollem Gange. Während Trump die amerikanische Hauptstadt verlässt, bereitet sich Joe Biden auf sein neues Amt vor.

(Reuters) In Washington ist der Machtwechsel in vollem Gange. Wenige Stunden vor dem Ende seiner vierjährigen Amtszeit verliess US-Präsident Donald Trump am Mittwoch die amerikanische Hauptstadt. Sein Nachfolger Joe Biden machte sich derweil auf den Weg zu einem Gottesdienst. Gegen Mittag (Ortszeit, 18:00 Uhr MEZ) sollten er und seine designierte Vizepräsidentin Kamala Harris auf der Terrasse an der Westfront des Kapitols den Amtseid ablegen. Wegen der Coronapandemie ist aber anders als bei früheren Vereidigungen diesmal nur ein vergleichsweise kleines Publikum zugelassen. Zudem wurden die Sicherheitsvorkehrungen massiv verschärft, nachdem wütende Trump-Anhänger vor zwei Wochen das Parlamentsgebäude gestürmt hatten.

Zehntausende Nationalgardisten wurden angesichts der angespannten Lage nach Washington beordert. Das Kapitol wurde weiträumig abgesperrt. Statt Hunderttausender Zuschauer, die normalerweise zu Vereidigungen von Präsidenten kommen, säumen die Parkfläche vor dem Parlament dieses Jahr stellvertretend fast 200’000 US-Fahnen. Auch die Feierlichkeiten mit dem Motto «Vereintes Amerika» («America United») sind wegen der Corona-Pandemie deutlich zurückgefahren, wenngleich ein Rahmenprogramm mit zahlreichen Stars geplant ist.

Sobald Biden den Treuschwur geleistet hat, wird er der 46. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Mit 78 Jahren ist er zugleich der älteste US-Präsident aller Zeiten. Der Stellvertreterposten geht mit Harris erstmals an eine Frau und an eine Schwarze. Nach der Vereidigung ist eine Rede geplant. Es wird erwartet, dass Biden den Kampf gegen die Corona-Pandemie und die Versöhnung einer tief gespalteten Gesellschaft in den Mittelpunkt rückt. Fernsehsender im In- und Ausland übertragen die Vereidigung live.

Trump verspricht Rückkehr

Bidens Regierung steht vor gewaltigen Herausforderungen, allen voran die Coronapandemie. Beratern zufolge will der neue Präsident unmittelbar nach seinem Amtsantritt 15 Anordnungen in Bereichen der Virus- und der Rassismusbekämpfung, der Wirtschaft und der Klimapolitik unterzeichnen. Dazu zählt den Angaben nach die Einführung einer Maskenpflicht in Regierungsgebäuden. Auch sollen die Weichen gestellt werden für eine Rückkehr der USA in das Pariser Klimaschutzabkommen, aus dem das Land unter Trump ausgetreten war. Biden will zudem eine Reihe anderer umstrittener Beschlüsse seines Vorgängers umgehend kippen. Gleichzeitig muss er aber versuchen, eine Brücke zu schlagen zu Millionen enttäuschter Trump-Anhänger. Wie schwierig das sein wird, unterstrichen die Ausschreitungen am und im Kapitol am 6. Januar, bei denen fünf Menschen starben.

Trump liess in einer kurzen Abschiedsrede auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrews Biden erneut namentlich unerwähnt. Er wünsche der neuen Regierung Glück und denke, dass sie erfolgreich sein werde, da seine Administration dafür das Fundament gelegt habe. Er werde das Geschehen weiter verfolgen, sagte Trump. Seinen Anhängern versicherte er, immer für sie da zu sein. «Wir lieben euch. Wir werden wiederkehren – in irgendeiner Form.» Anschliessend machte er sich gemeinsam mit seiner Ehefrau Melania an Bord der Präsidentenmaschine Air Force One auf den Weg nach Florida, wo er ein Luxusanwesen besitzt.

Leser-Kommentare