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Biden schlägt Fed-Chef Powell für zweite Amtszeit vor

Fed-Chef Jerome Powell wird weitere vier Jahre an der Spitze der US-Notenbank bleiben. Lael Brainard soll einen Vizeposten erhalten.

(Reuters) Die Hängepartie um die Spitzenpersonalie bei der US-Notenbank Fed hat ein Ende: Fed-Chef Jerome Powell kann weitere vier Jahre im Amt bleiben. US-Präsident Joe Biden nominierte ihn am Montag für eine zweite Amtszeit, wie das US-Präsidialamt mitteilte. Es lobte den 68-Jährigen als Krisenmanager der Corona-Pandemie und dass er unter US-Präsident Donald Trump Angriffe auf die Unabhängigkeit der Notenbank abgewehrt habe: «Fed-Präsident Powell hat eine beständige Führung in einer beispiellos herausfordernden Phase gezeigt.» Die auch als Anwärterin auf den Chefsessel gehandelte Direktorin Lael Brainard soll einen Fed-Vizeposten erhalten. Biden hatte die Öffentlichkeit und Märkte lange Zeit im Unklaren darüber gelassen, wie er sich entscheiden würde. Die US-Börsen gingen nach der Nominierung auf Rekordjagd.

«Kontinuität bleibt an der Fed-Spitze gewahrt. Das ist gut so», kommentierte Ökonom Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe die Personalie. Powell, der auch unter Republikanern viele Unterstützer hat, muss vom US-Senat bestätigt werden. Dort dürfte er nicht auf Gegenwind stossen. Allerdings wird er in Teilen der demokratischen Partei kritisch gesehen: Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren aus Massachusetts warf ihm vor, die Regulierung des Finanzsektors zurückgedreht zu haben, was ihn zu einem «gefährlichen Mann» mache. Powells erste Amtszeit läuft im Februar 2022 aus. Die Finanzmärkte hatten der Personalentscheidung seit Wochen entgegengefiebert. Der Dollar legte nach Bekanntwerden der Personalie zum Euro zu. An den Märkten wird nun damit gerechnet, dass unter der Führung Powells im Juni 2022 die Zinswende eingeleitet wird.

Dann könnte der geldpolitische Schlüsselsatz um einen Viertel Prozentpunkt angehoben werden. Derzeit wird er in einer Spanne von null bis 0,25% gehalten. Erst vor kurzem hatte die Fed die Abkehr vom Krisenmodus eingeleitet: Die milliardenschweren Konjunkturhilfen werden allmählich abgeschmolzen. «Powell hat nun die schwierige Aufgabe, den Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik vorzubereiten, ohne der Wirtschaft zu schaden und die Finanzmärkte zu beunruhigen», erklärte DIW-Präsident Marcel Fratzscher.

Brainard steht für härtere Linie bei Regulierung

Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner verwies darauf, dass Direktorin Brainard nun auf den Posten von Fed-Vize Richard Clarida aufrücken dürfte, dessen Amtszeit als Direktor am 31. Januar 2022 abläuft: «Brainard war die Favoritin des linken Parteiflügels der Demokraten, da sie eine härtere Linie in Sachen Finanzmarktregulierung verfolgt als Powell – und Mitglied der Demokratischen Partei ist.» Sie wäre dann in vier Jahren die «natürliche» Nachfolgerin Powells auf den Chefposten, wenn die Demokraten dann noch das Präsidentenamt innehaben, so seine Prognose.

Der Jurist und ehemalige Investmentbanker Powell hatte den Fed-Chefposten im Februar 2018 von der jetzigen US-Finanzministerin Janet Yellen, übernommen. Ein Grossteil der von Reuters befragten Ökonomen hatte damit gerechnet, dass sich Biden für Kontinuität an der Spitze der Fed entscheiden würde. Powell war unter Präsident Barack Obama 2012 ins Direktorium der Fed eingezogen. Finanzministerin Yellen hatte Medienberichten zufolge eine zweite Amtszeit Powells befürwortet. Dieser steuerte die Notenbank nach dem Urteil vieler Finanzexperten mit ruhiger Hand durch die Regierungsjahre von US-Präsident Trump. Der hatte Powell zwar ins Amt gebracht, ihn aber wegen seiner angeblich zu straffen Zinspolitik immer wieder heftig kritisiert.

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