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Big Apple Talk: Aktien für Hipster

FuW berichtet aus New York. Heute: in welche Valoren Privatanleger investieren und wie Elon Musk mittels Twitter die eigene Steuerrechnung drückt.

Das East Village im Süden Manhattans ist ein Tummelplatz für Hipster, Musiker und Künstler aller Art. Es ist nicht der Ort, an dem man erwartet, über Aktien zu diskutieren. Doch der Mittzwanziger mit Wollmütze, Nickelbrille und gepflegtem Fünftagebart redet sich hier darüber gerade in Rage. «I am so pissed», sagt er zu seiner Freundin und zeigt auf die Filiale von Sweetgreens an der Ecke dritte Strasse und Bowery. Er habe vergessen, klagt er, in seiner Trading-App einen IPO-Alarm einzustellen und hat es so verpasst, die Aktien des Betreibers von Salatrestaurants zu kaufen, als der vor zwei Wochen an die New Yorker Börse ging.

Die Szene passt zur neuen Lust der Kleinanleger. In der Pandemie sassen viele zu Hause, hatten Zeit, gingen über die Bücher, entdeckten die benutzerfreundlichen Tradinganwendungen, die Aktienhandel heute zum Nulltarif anbieten, und investierten drauflos. Das hat zu Auswüchsen wie den sogenannten Meme-Stocks geführt, bei denen sich Anleger über Internetforen absprechen und notleidende Titel in den Himmel hochkaufen. Das ganze Kleinkapital soll laut einiger Experten aber auch stützend für die Hausse wirken. Covid mal beiseitegelassen, sagt der Wallstreet-Verstand nämlich eigentlich: Die aktuell hohe Inflation und die sich abzeichnenden Zinserhöhungen sind schlecht für Wachstums- und Tech-Aktien. In genau die Titel haben Privatanleger laut der Researchgesellschaft Vanda aber weiter Geld gesteckt. Ihre meistgekauften Valoren im November waren die der Chiphersteller AMD und Nvidia (NVDA 145.23 -4.20%), des Techgiganten Apple (AAPL 136.72 -1.80%) sowie der Elektroautobauer Lucid und Tesla.

Das würde das jetzige Umfeld mit erklären, in dem Sweetgreens, ein Unternehmen, das 2019 einen Umsatz von 275 Mio. $ und einen Verlust von 70 Mio. $ gemacht hat, bei einem Wachstum unter dem der Konkurrenz, dennoch einen sehr erfolgreichen Börsengang hinlegen konnte. Die Gesellschaft sammelte 364 Mio. $ ein, hat jetzt eine Bewertung von über 4 Mrd. $, während die Aktie am ersten Handelstag ihren Wert fast verdoppelte. Angesichts der schlechten operativen Zahlen und der sportlichen Bewertung ist sie zurzeit aber keinen Kauf mehr wert. Im East Village ist man darob jedenfalls «pissed».

Das ist wohl auch Elon Musk. Der Tesla-Gründer muss nämlich rund 3,5 Mrd. $ Steuern zahlen. Und zwar auf die von ihm ausgeübten Tesla-Aktienoptionen. Um den Fiskus zu bedienen, muss Musk dafür wiederum Tesla-Aktien verkaufen, denn wie er selbst sagt, sei er «cash poor», zahlt er sich doch angeblich keinen Lohn aus. Auf Twitter (TWTR 38.23 +2.25%) – die Anwendung nutzt Musk nach eigener Aussage vor allem, wenn er auf dem WC sitzt – hat er unlängst die Umfrage gestartet, ob er 10% seiner Tesla-Aktien verkaufen soll. Allein der Tweet reichte aus, um den Aktienkurs absacken zu lassen, was gemäss «Wall Street Journal» im Endeffekt seine Steuerrechnung um rund 480 Mio. $ verringert hat – ein Schelm, der Böses dabei denkt. Tröstlich für Musk dürfte zudem sein, dass er in Zukunft sogar noch weniger Steuern zahlen muss. Letztes Jahr zog er von Kaliforniern nach Texas. Der Bundesstaat kennt weder Einkommenssteuer noch Kapitalertragssteuer.