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Big Apple Talk: Ein Herz für geschlagene Hunde

FuW berichtet aus New York. Heute: US-Aktien, die in den vergangenen Wochen arg gelitten haben, sind jetzt einen genaueren Blick wert.

Gehen wir mal davon aus, die US-Inflation, die sich im November auf einem Fast-40-Jahre-Hoch befand, ist tatsächlich kein Problem. Sprich, sie wird, wie doch immer noch einige glauben, im kommenden Jahr nachlassen. Lieferkettenengpässe werden sich entspannen, die starke Nachfrage nach den Shutdowns wird sich normalisieren, und die US-Notenbank wird durch ihre straffere Geldpolitik ihr Übriges dazu beitragen. Wenn dem so ist, dann gibt es ein paar Aktien an den New Yorker Börsen, die jetzt einen genaueren Blick wert sind.

Denn viele Investoren da draussen haben sich zuletzt für ein Umfeld mit hoher Inflation positioniert. Sie haben noch weiter in die grossen Tech-Titel Apple (AAPL 142.92 +0.96%), Microsoft (MSFT 268.18 +0.74%) und Google-Mutter Alphabet (GOOGL 2'341.22 +2.17%) umgeschichtet. So gibt es an Wallstreet längst das Bonmot, den breiten US-Marktindex S&P 500 mit den 500 grössten amerikanischen Unternehmen sollte man in S&P 5 umtaufen. Denn es sind mehr und mehr die fünf Tech-Giganten, die den Index tragen, während die Hausse empfindlich an Breite verliert. Apple, Alphabet, Amazon (AMZN 115.01 +0.59%), Microsoft und Facebook (pardon, Meta) haben sich für Investoren zu sicheren Häfen entwickelt. Sie sind das US-Äquivalent zu den Schweizer Indexriesen Nestlé (NESN 114.00 -0.84%), Roche und Novartis (NOVN 82.22 +1.23%) mit einem Geschäftsmodell, das eine riesige Menge Cash auch in konjunkturell schlechten Zeiten generiert. Zudem floss Kapital in Valoren, die von höheren Preisen und Zinsen profitieren, wie Aktien von Finanzdienstleistern, Versorgern, Life-Science-Gesellschaften oder Energieunternehmen.

Dagegen haben Anleger hoch bewertete Wachstumstitel verkauft, wie etwa PayPal (PYPL 74.45 +1.65%), Twitter (TWTR 38.94 +1.90%) oder TripAdvisor. Steigen in Zukunft die Zinsen, dann werden sie mehr für ihr Wachstumskapital zahlen müssen. Auch sportlich bepreiste Werte von Unternehmen im Bereich Software as a Service (SaaS) – die einstigen Gewinner des pandemiebedingten Home Office – wie DocuSign, Zoom Video (ZM 119.06 +1.71%) Communications, Citrix Systems oder Salesforce sind heftig unter die Räder gekommen. In der Schweiz haben die Papiere des Vertreibers von Microsoft-Produkten SoftwareOne (SWON 12.08 +3.60%) arg gelitten. Doch wie die Analysten der Royal Bank of Canada (RY 125.54 +0.54%) schreiben, folge auf solche Verkaufswellen relativ rasch wieder eine starke Erholungsphase, wie ihr RBC All-SaaS Index zeigt.

Einen Blick verdienen auch die Indexschlusslichter – diejenigen Unternehmen, die in diesem Jahr, in dem es gefühlt nur bergaufging, Kursverluste produziert haben. Denn wie die Analysten von Macro Risk Advisors hervorheben, sind in den vergangenen fünf Jahren die Aktien, die im S&P 500 in einem Jahr am schlechtesten performt haben, im Jahr darauf zu Beginn rund 8% avanciert – und zwar in den ersten zwei Wochen. Hier gilt das Augenmerk den Valoren der Zahlungsdienstleister Global Payments und Fidelity National (FIS 94.19 -0.66%) Information Services, der Casinobetreiber Penn National Gaming und Las Vegas Sands sowie des Videospielentwicklers Activision Blizzard. In einer Welt, in der die Realzinsen wohl noch für geraume Zeit mindestens sehr tief bleiben werden, so kann man argumentieren, haben auch die sogenannten geschlagenen Hunde weiterhin ihren Platz im Portfolio.