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Big Apple Talk: Weihnachten ohne iPhone

FuW berichtet aus New York. Heute: Nachlassende Nachfrage nach dem Apple-Neuling? Den Konsumenten könnte es langsam reichen.

Das neue iPhone 13 sei einfach nicht da, sagt die Mitarbeiterin der Filiale von Spectrum in Downtown Brooklyn, einem der grössten Telecomanbieter in den USA. «Sorry, my love», fügt sie mitleidig hinzu. Man könnte es im Apple (AAPL 138.93 +1.62%) Store probieren, wo einem aber gesagt wird, man werde auf eine Warteliste gesetzt. Das Stück Technologie, das seit seiner Erfindung im Jahr 2007 eines der beliebtesten Festtagsgeschenke ist, wird heuer wohl für viele nicht unterm Baum liegen. Weihnachten ohne Apple.

Der Konzern aus Cupertino soll selbst dafür gesorgt haben, indem er gemäss Medienberichten die Produktion seines neuen Modells von 90 auf 80 Mio. gedrosselt hat. Damit reagiere Apple aber nur auf die angeblich nachlassende Nachfrage. Aber wann gab es das bitte schon einmal? Die Leute wollen keine iPhones mehr? Die Apple-Aktie, die als sicherer Hafen gilt und die US-Hausse, die arg an Breite verliert, regelmässig stützt, gab am Donnerstag zeitweise rund 4% nach. Das sind happige Verluste für einen Titel, hinter dem der mit 2,7 Bio. $ Marktkapitalisierung wertvollste kotierte US-Konzern steht.

Laut dem UBS-Ökonomen Paul Donovan ist das ein generelleres Zeichen dafür, dass die aussergewöhnlich hohe Nachfrage nach dem Ende der Shutdowns sich nun zu normalisieren beginnt. Gemäss Oxford Economics sind die US-Konsumenten vorsichtiger geworden, wie sie ihr Geld ausgeben. Das liegt auch an der höchsten Inflation seit dreissig Jahren. Da überlegt mancher Verbraucher zwei Mal, ob er sich angesichts gestiegener Mieten, Heizkosten und Benzinpreise noch ein iPhone für 1000 $ gönnen will.

Bei einigen Konsumenten drängt sich sowieso langsam, aber sicher der Verdacht auf, die Unternehmen würden die allgemeinen Klagen über Lieferkettenengpässe nicht nur nutzen, um die Preise zu erhöhen und damit die gestiegenen Kosten auszugleichen. Sie steigern darüber hinaus ihren Profit. Und tatsächlich machen zwei von drei US-Gesellschaften mitten in der Pandemie mehr Gewinn als noch 2019 und erzielen die höchsten Margen seit den Fünfzigerjahren. Warren Buffett hat das jüngst mit der Aussage bestätigt, seine Unternehmen würden die Preise erhöhen, andere würden sie für sie erhöhen, und die Leute würden das schlicht akzeptieren. Doch manche Experten sehen diese Zitrone zunehmend ausgequetscht und das Nachlassen der iPhone-Nachfrage als Anzeichen dafür. Im Endeffekt könnte das aber auch wiederum helfen, die Lieferengpässe und die Inflation zu entspannen.

Apple-Enthusiasten hoffen deshalb, dass sich die Nachfrage schlicht ins nächste Jahr verschiebt. Tatsächlich haben sich die Apple-Aktien rasch erholt. Sie schlossen vergangene Woche mit einem Plus von rund 1,5%. Tech-Riesen wie Apple sind wahre Gelddruckmaschinen mit riesigem Eigenkapital, verschiedenen Produkten und Dienstleistungen, die kaum mehr aus dem Alltag wegzudenken sind. Für Anleger ist eine kurze Schwächephase wie zuletzt deshalb vor allem eines: eine Einstiegsgelegenheit.