Meinungen

Billig, aber nicht günstig

Value-Aktien sind eine riskante Wette. Qualität und Cashflow sind die bessere Wahl. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Alexander Trentin.

«Es ist falsch, zu glauben, dass die Bewertungsschere sich zwangsläufig schliessen muss.»

Nach langer Flaute hat bei den Value-Aktien – den tief bewerteten Titeln – ein paar Monate lang Aufbruchstimmung geherrscht. Für die Anhänger dieser Aktien war das überfällig. Denn die Bewertung zwischen den teuren Wachstumstiteln, dazu gehören etwa die Technologieaktien, und den billigsten Aktien ist immer weiter auseinandergeklafft. Banken und Rohstoffriesen wurden im Vergleich zu Softwaretiteln scheinbar zu einem Spottpreis gehandelt.

Der Value-Boom hat nun abrupt ausgesetzt. Auch wenn er wieder Fahrt aufnimmt, müssen Anleger sich klar sein: Kennzahlen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis können trügen und liefern für sich allein keinen fairen inneren Wert einer Aktie. Wer anhand des aktuellen Gewinns bewertet, verkennt künftige Wachstumsaussichten. Und der Buchwert spielt für Technologie- und Pharmatitel keine Rolle, da deren wichtiges intellektuelles Eigentum in der Bilanz meist fehlt.

Gute Unternehmen können gemäss Kennzahlen teuer oder günstig aussehen. Wer sich danach richtet, ohne Einschätzung der Risiken und Chancen, der kauft die Katze im Sack. Wenn in den vergangenen Monaten Value-Aktien gewonnen haben, dann lag das primär an einem weniger unsicheren Konjunkturausblick. Es ist falsch, zu glauben, dass die Bewertungsschere sich zwangsläufig schliessen muss.

Mit Value-Aktien kann man zwar eine Konjunkturwette eingehen. Aber zuverlässiger ist ein Engagement in Qualitätstitel, die nicht billig bewertet sind. Solche Unternehmen haben bewiesen, dass sie mit ihrer Strategie Cashflow liefern. Sie sind eine Prämie wert.

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