Meinungen

Billig aus gutem Grund

Bankaktien aus Europa sind günstig bewertet. Das heisst aber nicht, dass es sich lohnt, zuzugreifen. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Jeffrey Hochegger.

«Der Sektor handelt mit einem deutlichen Abschlag zum Eigenkapital. Zu Recht.»

Bankaktien sind billig, dennoch drängt sich ein Kauf nicht auf (vgl. Seite 5). Die Performance europäischer Bank­aktien ist dieses Jahr katastrophal. Im Schnitt haben die Valoren der grossen europäischen Geldhäuser seit Anfang Jahr 20% verloren. Der Wert der Aktien Deutsche Bank (DBK 7.277 -5.55%) hat sich allein dieses Jahr beinahe halbiert. Auch die Schweizer Grossbanktitel UBS (UBSG 12.165 -3.14%) und Credit Suisse (CSGN 10.815 -2.52%) können sich diesem Trend nicht entziehen, sie haben 19 und 25% eingebüsst.

Obwohl die Banken sich neu aufgestellt haben, kehrt das Vertrauen der Anleger nicht zurück. Der Sektor handelt mit einem deutlichen Abschlag zum Eigenkapital. Zu Recht. Den Banken fehlt der Mut zur Veränderung; vielmehr halten sie an bisherigen Geschäftsmodellen fest. Einzige Aussichten auf Erfolg bieten Kostensenkungen. Sie sind allerdings keine langfristige Strategie.

Seit der Finanzkrise sind viele Banken nur am Aufräumen. Dadurch hat sich die Lage nur wenig verbessert, wirklich renditefördernd ist das nicht, und ändern wird sich daran so schnell auch nichts. Rechtsrisiken, Margendruck und niedrige Zinsen sind nur einige Punkte, die das  Ertragswachstum belasten. Zudem ist die Digitalisierung in vollem Gang und verursacht hohe Kosten.

Mit Italien ist zudem bereits das nächste Problem auf dem Tisch. Die Banken sind in einem Teufelskreis ­gefangen. Erhöhen sich die Risikoaufschläge für Staatspapiere, reduziert sich ihr Wert. Die Differenz wird ­gerade bei italienischen Banken gegen das Eigenkapital verrechnet,
da die Eigenmittel in Staatspapieren angelegt sind. Erste Banken haben deshalb schon Einschnitte bei den Kernkapitalquoten hinnehmen müssen. Darum: billig ja, aber aus gutem Grund.

 

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